Essay zum Thema Evolutionstheorie

Gedanken zu Phillip E. Johnsons Text „Evolution as Dogma“

In seinem, in englischer Sprache verfassten Text „Evolution as Dogma: The Establishment of Naturalism“ befasst sich Phillip E. Johnson mit dem Konflikt zwischen Kreationisten und deren Gegnern, den Anhängern der Evolutionstheorie.

Phillip E. Johnson wurde 1940 in Aurora, Illinois, USA, geboren und ist nicht nur Autor, sondern auch Professor der Rechtswissenschaften. Er gilt als „Vater“ der Intelligent-Design-Bewegung, welche die Evolutionstheorie kritisiert und stattdessen eine übernatürliche Intelligenz als Ursprung des Lebens sieht. Johson geht sogar soweit, die Theorie zu verbreiten, dass HIV nicht die Ursache von AIDS sei.


Doch obwohl Johnson eigentlich ganz klar auf der Seite der Kreationisten steht, geht diese Position aus seinem Text nicht deutlich hervor. Im Gegenteil, er beschreibt die Argumente der Kreationisten genau so, wie die der Evolutions-Anhänger.

So beginnt er seinen Text mit einer Erklärung darüber, was seiner Meinung nach, am Kreationismus falsch ist, beziehungsweise was normalerweise die Argumente der Gegner sind.

In dieser Erklärung, die möglicherweise auch ein Zitat ohne Quellenangabe ist, sagt Johnson, dass die Wissenschaft überwältigende Beweise für die Evolution angehäuft hat und es somit keinen Zweifel an der Evolution gibt. Er bezeichnet die Kreationisten als „biblische Fundamentalisten“ und meint, „wissenschaftlicher Kreationismus“ sei ein Widerspruch in sich. Kreationismus sei nur eine „religiöse Doktrin“, nur „Glauben“. Wissenschaft dagegen sei „Wissen“.

Nach diesem provokativen Einstieg schreibt Johnson allerdings, dass die vorherige Beschreibung täusche. In Wahrheit stecke viel mehr hinter der „Kreationismus-Evolutions-Debatte“ als nur der Kreationist als „bibelzitierender Nichtwisser“, der sich weigert, den wissenschaftlichen Beweisen ins Gesicht zu sehen.Die Kreationisten mögen bei vielen Dingen falsch liegen, dennoch steckt möglicherweise auch Wahrheit an ihrer Theorie, über das es sich nachzudenken lohne.

Johnson schreibt weiter, dass das, was Wissenschaftler als Evolution  bezeichnen, und von dem sie behaupten es wären Fakten, gar nicht auf empirischen Beweisen beruhe, sondern eher eine kontroverse philosophische Vermutung ist.

Dann meint Johnson, dass aber trotzdem niemand bezweifelt, dass sich Evolution ereignet hat. Allerdings nur in dem Sinne, dass manche Veränderungen auf natürliche Weise geschehen.

Nun führt er das Beispiel von den Motten an, welche je nach Grad der Luftverschmutzung ihre Farbe verändern, um sich so der Farbe der Bäume anzupassen, die ihre Farbe ebenfalls verändern.

Dies, so sagt Johnson, ist wohl das berühmteste Beispiel für den Darwinismus. Und eben dieses Beispiel erlaubt den Darwinisten zu behaupten, dass Evolution eine Tatsache und natürliche Selektion ein wichtiger Bestandteil der Evolution ist. Johnson meint, dass es nichts gibt, worüber man sich streiten müsse, wenn das einfach heißen würde, dass natürliche Selektion Effekte auf die Entwicklung einer Population hat.

Er schreibt, dass das Wichtige an Evolution ist, dass wir vom Kleinen, welches wir beobachten können, auf eine große Theorie schließen können, die erklärt, wie sich alles entwickelt hat. So können wir also von den eben erwähnten Motten, deren Veränderung verhältnismäßig schnell vonstatten geht, überspitzt ausgedrückt, auf die „gesamte Evolution“ schließen.

Nun wendet sich Johnson dem Neodarwinismus zu. Dieser, so der Autor, beginnt mit der Annahme, dass kleine, zufällige genetische Veränderungen, sprich Mutationen, hin und wieder gut überleben können.

Diese werden dann wiederum ihre Vorteile, die sie beim Überleben haben, an ihre Nachkommen weitergeben. Wenn sich ein Vorteil immer weitervererbt, so ist es auch möglich, dass aus „irgendwelchen Bakterien“ nach langer Zeit Bäume, Motten oder auch Menschen werden. Dies, so gesteht Johnson selbst ein, ist allerdings nur eine sehr ungenaue Beschreibung der Theorie.

Dann führt Johnson den bekannten Harvard Professor Steven Jay Gould an. Gould ist der Meinung, dass in Zukunft neue Mechanismen entdeckt werden, was wiederum dazu führt, dass die darwinistische Selektion nicht mehr solch eine große Rolle spielen wird. An dieser Stelle wird allerdings nicht ganz klar, ob Johnson Gould zustimmt, oder nicht.

Es gibt, laut Johnson, aber einen Punkt, an dem alle Biologen, die sich mit diesem Thema befassen, übereinstimmen. Er meint, dass diese Biologen zwar oft verschiedener Meinung seien, aber niemand, der einen Ruf zu verlieren hat, spricht von einem „übernatürlichen Schöpfer“ oder gar von einer „mystischen Lebenskraft“.

Johnson kommt nun zur „Camrian Explosion“. Dies ist das scheinbar plötzliche Auftreten neuer Tierformen zu Beginn der Cambrian-Zeit. Der eigentliche Konflikt dabei ist, dass keine Überreste von Zwischenformen gefunden wurden. Auch der von Johnson in dem Zusammenhang angeführte Oxforder Zoologe Professor Richard Dawkins berichtet davon, dass die Forscher nur Überreste von Tieren in einem fortschrittlichen Stadium gefunden haben, so als hätten diese Tiere gar keine Evolutionsgeschichte.

Natürlich hat dieser Fund, oder eben Nicht-Fund die Kreationisten erfreut. Denn das Fehlen der Fossilien unterstützt ja ihre Theorie.

Johnson jedoch kann diesen Konflikt an dieser Stelle scheinbar nicht nachvollziehen, denn er ist der Meinung, dass das Fehlen von Zwischenstufen nicht außergewöhnlich sei.

Johnson schreibt weiter, dass viele Wissenschaftler eigentlich gern zugeben würden, dass es natürliche Mechanismen gibt, die für die Entstehung neuer Lebensformer verantwortlich sind, ohne aber die darwinistischen Schritte zu gehen. Er sagt auch, dass sich die Leser seines Textes wundern werden, warum die Wissenschaftler nicht endlich zugeben, dass „Mysterien“ hinter unserem Verständnis von Evolution stecken und dass die Cambrian-Explosion Beweis genug dafür sein sollte.

Johnson zitiert noch ein weiteres Mal den schon erwähnten Professor Dawkins. Dieser bezeichnet es als „dunkle Zeiten“, in denen sich angeblich fast die Hälfte der Amerikaner weigert, an die Evolution zu glauben. Dawkins beleidigt diese Menschen sogar und bezeichnet sie als ignorant, dumm und krank. Ob diese von Johnson benutzten Statistiken wirklich objektiv sind, bleibt, meiner Meinung nach, offen.


Er ist ebenfalls der Meinung, dass die Kreationisten mit „unfairen“ Mitteln spielen. Angeblich geschieht es häufig, dass sie Wissenschaftler falsch zitieren oder auch einfach Sätze herausgreifen, so dass ohne den richtigen Zusammenhang die Bedeutung verfälscht wird.

Der von Johnson zitierte Autor Douglas Futuyma bringt die Aussage von Evolution auf den Punkt. Er meint, die Aussage von Evolution ist eben, dass alles zufällig und ohne Sinn geschehen ist. Ein „Gott“ oder irgendeine andere „höhere Macht“ kann also nicht eingegriffen haben.

Anschließend betont Johnson erneut, dass es ein Fehlschluss ist, die darwinistische Theorie, die der breiten Masse als „Wissenschaft“ verkauft wird, als bewiesen anzusehen. Auch Wissenschaftler können komplexe biologische Vorgänge nicht im Labor oder sonst wo beobachten.

Er spricht nun Gareth Nelson an, einen Zoologen am American Museum of Natural History. Nelson ist zwar kein Kreationist, aber mit der darwinistischen Lehre stimmt er ebenfalls nicht ganz überein.

Johnson wiederum glaubt, dass das philosophische Denken in den Köpfen der gebildeten Menschen so fest verankert ist, dass sie sich gar keine andere Art die Dinge zu betrachten vorstellen können. Der Darwinismus leuchtet diesen Menschen so sehr ein, dass sie auch das Beispiel der Motten nur als einen weiteren Beweis für ihre Theorie ansehen.

Für Menschen, die an einen Schöpfer glauben, sieht die selbe Situation allerdings ganz anders aus. Für sie ist das Motten-Beispiel kein Beweis dafür, dass die natürliche Selektion so etwas wie ein Auge oder einen Flügel erschaffen kann. Doch das Fehlen von Beweisen ist wiederum für die Naturalisten kein Grund nicht an ihre Theorie zu glauben.

Es wird also vorerst keinen eindeutigen Sieger in der Kreations-Evolution-Debatte geben. Mit diesem Thema hat sich sogar schon der Supreme Court in den USA beschäftigt. In dem Zusammenhang erzählt Johnson auch von der Academy of Sciences. Diese meint zum Beispiel, Kreationismus sei keine Wissenschaft.

Johnsons Meinung nach sind die Kreationisten sofort disqualifiziert, denn nur Naturalismus sei eine Wissenschaft. Er meint, die Kreationisten bräuchten sich gar nicht weiter anzustrengen oder Beweise zu sammeln. Denn die Beweise werden immer nur die naturalistische Alternative unterstützen.

Er meint weiter, die Naturalisten behaupten gar nicht von sich, die absolute Wahrheit zu kennen. Dieser Auffassung nach hat die Academy of Sciences auch gar nicht gesagt, dass die Schöpfung des Universums, der Menschen usw. durch etwas Übernatürliches nicht wahr ist. Denn dieses Statement wäre unwissenschaftlich, so Johnson.

Doch meint er, dies sei nur ein rhetorischer Trick der Naturalisten. Sie bezeichnen ihre eigene Theorie als Fakt und die Gegenposition als Fantasie, natürlich ohne Beweise zu haben. Man kann also nach wie vor nicht sagen, wer Recht hat und wer nicht. Man kann auch nicht sagen, wer die „Guten“ und wer die „Bösen“ sind, bzw. wer auf welche Weise versucht zu manipulieren.

Johnson bringt nun die Gallup Umfrage ein. Im Jahre 1982 meinten 44 Prozent der Befragten, dass Gott in den letzten 10.000 Jahren ziemlich viel geschaffen hat. Weitere 38 Prozent akzeptieren, dass die Evolution von Gott geleitet wurde. Nur 9 Prozent hingegen glauben an eine naturalistische Evolution ohne ein Eingreifen von Gott. Die Philosophie der letzten 9 Prozent wird allerdings in den Schulen als unumstößliche Wahrheit gelehrt.

Laut Johnson meint der Cornell University Professor William Provine, dass die amerikanische Öffentlichkeit einfach nicht versteht, was die Wissenschaftler mit „Evolution“ meinen. Dieser beschuldigt aber die Wissenschaftler selbst schuld daran zu sein, dass der Darwinismus absolut inkompatibel mit dem Glauben an Gott sei.

Die Organisation, die offiziell für Wissenschaft spricht, leugnet allerdings weiterhin den Konflikt zwischen Darwinismus und Religion. Dieses Leugnen ist wieder ein Beispiel für Manipulation.

Der Genforscher Theodosius Dobzhansky, laut Stephen Jay Gould einer der größten Evolutionisten unserer Zeit, ist angeblich aber ein Beweis dafür, dass sich Evolution und Religion doch verstehen. Doch dem stimmt Johnson nicht zu. Er meint, Dobzhansky war das, was wir heute einen „New Age Pantheisten“ nennen würden. Denn nur wenn Religion und Evolution nicht vermischt werden, können sie miteinander auskommen.

Auch Julian Huxley und George Gaylord Simpson haben auf diesem Gebiet gearbeitet und haben ihre eigene Meinung zum Thema. So meint Simpson zum Beispiel ebenfalls, dass Evolution und „wahre Religion“ durchaus vereinbar seien. Mit „wahrer Religion“ meint aber merkwürdigerweise die naturalistische Religion, die nicht an Gott glaubt.

Nun kommt Johnson wieder zum Surpreme Court. Diesmal beschreibt er das „Louisiana balanced treatment“. In diesem Streit geht es wieder um die Frage, welche Theorie in den Schulen gelehrt werden soll und ob sie nun als „Fakt“ dargestellt wird oder nicht.

Johnson ist, wie wahrscheinlich auch der Leser, der Meinung, dass dieser Streit frustrierend ist. Er spricht nun den Autor Richard Lewontin an, der sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigt hat. Lewontin ist Marxist und versteht den Konflikt als Klassenkampf. Er meint, die Kreationisten werden ganz einfach durch alltägliche menschliche Erfahrungen widerlegt.

Johnson wiederum hält ihn nicht für glaubhaft und sagt, dass der „Fakt der Evolution“ so wie er uns aufgedrängt wird, ein Instrument kultureller Dominierung sei und die Menschen sich früher oder später dagegen auflehnen werden.

Er zieht nun ein Zwischenfazit und schreibt, dass die Kreationisten  keine Menschen sind, die in einer imaginären Welt voller Wunder leben. Stattdessen hält er den Menschen selber, mit seinem freien Willen und seiner Fähigkeit die Naturgesetze zu verstehen, für ein Wunder.


Der „überwältigende“ Beweis für die naturalistische Evolution jedoch wird nicht länger bestehen, wenn das naturalistische Weltbild selbst in Frage gestellt wird. Wissenschaft ist, laut Johnson, nicht das stumpfe Studieren von Büchern, sondern Ausprobieren und experimentieren. Dennoch kann es Fragen geben, die wir nicht klären können, auch durch Wissenschaft nicht. Diese Fragen, so Johson, könnten zum Beispiel sein, wie das Leben begann oder wie komplexe biologische Systeme zusammengehalten werden.

Johnson unterstützt nun scheinbar wieder den Darwinismus. Er erzählt von einem russischen Kosmonauten, der in den Weltall geflogen ist und Gott nicht gesehen hat. Laut Johnson spricht das ganz klar für den Darwinismus. Ob er das an dieser Stelle wirklich so meint, oder ob es Ironie ist, bleibt offen.

Er macht nun auch noch mal den Unterschied zwischen wissenschaftlichem „Wissen“ und religiösem „Glauben“ deutlich. Glauben, so meint er, ist subjektiv, Wissen hingegen objektiv.

Er meint, die beste verfügbare naturalistische Erklärung ist gut, so lange sich nicht durch eine noch bessere widerlegt wird. Die naturalistische Evolution sei also ein Fakt, und dieser Fakt beinhaltet eine kritisch geleitete Rolle der natürlichen Selektion.

Wissenschaft wiederum sei kein Fakt. Doch wenn sie einige Regeln beachten, meinen Darwinisten ihre Theorie mit Hilfe der natürlichen Selektion beweisen zu können.

Als nächstes stellt Johnson sich scheinbar wieder auf die Seite der Darwinisten und beschreibt erneut den Konflikt zwischen Darwinisten und Theisten. Diese bezeichnet er nun als Fundamentalisten.

Eine andere Strategie der Darwinisten sei es, zu behaupten, dass jeder, der nicht ganz mit ihnen übereinstimmt, ein Feind der Wissenschaft sei. Darwinismus ist, laut Johnson, nicht die einzige Denkweise, die diese Einstellung hat und die man mit Technologie verbindet.

Donald Johanson meint dazu, dass man ja schließlich nicht einen Teil der Wissenschaft akzeptieren kann, weil er einem gute Dinge wie Elektrizität oder Penicillin bringt, andere Teile aber ablehnt, da sie zum Beispiel die Umwelt zerstören.

Johnson wiederum fragt sich, warum man nicht genau das tun kann. Die Wissenschaftler wissen zwar eine Menge über das Verhalten von Bakterien und Elektronen, aber sie wissen nicht, wie sie entstanden sind. Experimente im zwanzigsten Jahrhundert zeigen, dass wissenschaftliche Technologie Wunder bewirken kann. Aber auch, dass viel Unsinn damit betrieben werden kann.

Im Moment läuft für die Darwinisten in Amerika sehr gut. Der Supreme Court hat den Kreationisten eine Lehre erteilt und auch die Schulen akzeptieren langsam die Wissenschaft.

Dennoch werden bald härtere Zeiten auf die Darwinisten zukommen, mein Johnson. Erneut spricht er den „Fakt der Evolution“ an und stellt ihn negativ dar. Denn es sind, so meint Johnson scheinbar ironisch, nur religiöse Fundamentalisten, die eben diesen „Fakt der Evolution“ anzweifeln. Er führt nun noch ein weiteres Mal William Provine an, der glaubt, dass die Wissenschaftler mittlerweile genug Beweise haben um die Menschen vom Darwinismus zu überzeugen.

Als Abschluss seines Textes schreibt Johnson noch mal über die Debatte in den Schulen. Doch auch hier bin ich mir, wie eigentlich den ganzen Text über, nicht sicher, auf welcher Seite Johnson steht. Er ist, meiner Informationen nach, Kritiker der Evolutionstheorie. Jedoch wird das in dem Text nicht deutlich. Möglicherweise benutzt Johnson oft das Stilmittel der Ironie, jedoch würde dies auf so subtile Art geschehen, dass es sich mir persönlich nicht erschließt.