Essay zum Thema Fight Club

Welche Wirkung haben die metafiktionalen Szenen in „Fight Club“ auf den Rezipienten?

Der Film „Fight Club“ ist wohl unumstritten eine Kultfilm. Sowohl eingefleischte Filmfans, als auch „Laien“ auf diesem Gebiet kennen ihn, und fast jeder mag ihn. Dieses liegt wahrscheinlich in erster Linie an der Art, wie er gemacht ist.

Nicht nur die Wendung zum Ende des Films ist sehr überraschend und nur von den Allerwenigsten vorausgesehen. Auch die Weise, wie sich der namenlose Protagonist als Erzähler an den Rezipienten wendet, sowie die besondere, metafiktionale Szene im Kino, tragen stark dazu bei „Fight Club“ einzigartig zu machen.


Doch welche Funktion hat die Szene im Kino, in der Edward Norton dem Zuschauer beschreibt, wie Tyler lebt? Wie er als Kellner widerliche Dinge mit den zu servierenden Speisen anstellt und wie er, bei seinem Job als Filmvorführer, Szenen aus Pornos in Kinderfilme schneidet. In diesen Szenen, die hier als bekannt vorausgesetzt werden, wendet sich Norton direkt an den Rezipienten. Er sagt „Sie“ zu ihm und geht bei den „Brandlöchern“ auch auf die Machart eines Filmes ein.

Der Zuschauer wird in den Film miteinbezogen. Er ist plötzlich Teil des großen Werkes „Fight Club“. Der Zuschauer fühlt sich gut, er fühlt sich wichtig und ernst genommen. Dadurch, dass Norton direkt mit ihm redet, kommuniziert (wenn es auch nur eine einseitige Kommunikation ist), fühlt der Zuschauer mit ihm mit. Norton und Pitt werden sympathisch.

Eigentlich sind die beiden keine besonderen Sympathieträger. Norton ist eigentlich ein „Looser“, nur durch die Fight Clubs fühlt er sich wieder wohl. Und Pitt ist ein Krimineller, der sich einfach nimmt, was er will und sich nicht an Regeln hält. Im Grunde sollten die beiden dem Rezipienten also durchaus unsympathisch sein. Im Besten Fall sind sie vollkommen anders, als der Zuschauer. Höchstens mit Norton kann man sich vielleicht etwas identifizieren. Er führt ein langweiliges Leben, lebt in einer Ikea-Welt und hasst seinen Alltag.

Doch durch diesen kleinen Trick, durch die Szene in der sich die beiden Hauptdarsteller direkt an den Zuschauer wenden, fühlt man mit ihnen. Natürlich ist man als Rezipient meistens schon zu Beginn auf der Seite des Protagonisten.

Doch durch diese Stelle, die schon ziemlich zu Beginn des Films gezeigt wird, haben die Protagonisten den Zuschauer sicher auf ihrer Seite. Er fühlt sich als Teil von ihnen. Der Film zieht ihn noch viel mehr in seinen Bann.

Man kann fast schon sagen, dass wenn man aus dem Kino kommt, man die Welt ein klein wenig anders sieht. Man fühlt sich fast als Teil einer Verschwörung, als Teil des Fight Clubs oder des Projekts Chaos. Ich denke nicht, dass dieses Gefühl ohne diese Metafiktionalität genauso stark vorhanden wäre.

Noch lange später wird der Rezipient an den Film „Fight Club“ denken. Wenn man direkt angesprochen wird, nimmt man Informationen besser auf. Dadurch, dass gerade die Sache mit den Speisen, die Pitt als Kellner im Restaurant serviert, direkt an den Zuschauer herangetragen wird, bleibt es ihm viel besser in Erinnerung. Wahrscheinlich muss ein Rezipient, der sich dem Film vollkommen hingibt und sich in ihn hineindenkt, noch oft an diese Szene denken, wenn er selbst im Restaurant isst.


Der Zuschauer wird an den Film gebunden. Er fühlt nun mit den Protagonisten mit, und der Film lässt ihn nicht mehr los. Ganz abgesehen davon, hat die Szenen auch etwas Witziges. „Sie haben so eine zynische, kranke Lache“, sagt Pitt schon bei ihrer ersten Begegnung zu Norton. Und das ist auch genau die Art, auf die diese Szene witzig ist. Auf eine zynische, kranke Art. Nebenbei gesagt, ist das wahrscheinlich auch die Weise, auf die der Film die ganze Zeit über witzig ist, auf eben diese zynische, kranke Art.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass die Metafiktionalität in „Fight Club“ verschiedene Funktionen hat. Allerdings sind sie alle ähnlich oder gehen zumindest in die gleiche Richtung.

Vor allem soll das direkte Ansprechen des Zuschauers die Protagonisten sympathischer machen. Man soll sich als ein Teil von ihnen fühlen und auf „ihrer Seite stehen“. Das trägt natürlich auch zum Vergnügen des Rezipienten bei. Denn wenn man sich einen zwei Stunden langen Film ansieht, und nicht nachvollziehen kann, was der Protagonist macht oder eventuell sogar von ihm genervt ist, wird man sich den Film sicherlich kein zweites Mal anschauen.

Der zweite Aspekt ist, dass dem Rezipienten nicht nur die Protagonisten sympathisch erscheinen, er fühlt sich als ein Teil von ihnen und wird somit an den Film gebunden. Man behält ihn besser im Gedächtnis und wird ihn sich sicherlich noch mehrere Male ansehen, da man sich gut unterhalten hat.

Gute Unterhaltung spielt auch eine Rolle bei den metafiktionalen Szenen. Es lockert den Film noch etwas auf. Der Zuschauer hat ein paar Minuten der Abwechslung. Dies ist zwar, bei dem eigentlich sowieso schon sehr unterhaltsamen „Fight Club“ nicht nötig, macht ihn aber noch besser.