Essay zum Thema Gefangenendilemma

Fragestellung:

Bitte erläutern Sie in eigenen Worten und so verständlich wie möglich, was man unter dem Gefangenendilemma versteht und inwiefern dieses Dilemma auf eine Paradoxie des Begriffs der instrumentellen Vernunft aufmerksam macht. Beschreiben Sie daraufhin eine möglichst reale Situation aus Ihrem Alltag, die die Struktur des Gefangenendilemmas aufweist und diskutieren Sie abschließend die Frage, ob dieses Dilemma eher für oder gegen die Brauchbarkeit des Begriffs der instrumentellen Vernunft spricht.


Das sogenannte „Gefangenendilemma“ oder auch „prisoners´ dilemma“ ist ein „nicht kooperatives Spiel“ innerhalb der Spieltheorie. Am Gefangenendilemma lassen sich die Grundgedanken der Spieltheorie besonders gut verdeutlichen.

Es gibt zwei Akteure, die sich allerdings nicht absprechen dürfen. Sie sind beide nur am eigenen Wohlergehen interessiert, nicht an dem des Anderen. Das Dilemma besteht darin, dass es für beide Beteiligten am günstigsten wäre, wenn sie miteinander kooperieren würden, es beide Seiten aber letztlich immer vorziehen, dies nicht zu tun.

Der Text von Volker Kunz verdeutlicht die Situation am Beispiel zweier Sträflinge, die sich gegenseitig belasten oder entlasten könnten. Je nachdem wie sie vorgehen, kann ihre Strafe länger oder kürzer sein. Allerdings ist es, wie schon erwähnt, sehr wichtig, dass keiner der Gefangenen weiß, was der andere tun wird. Die auch als „Strategie“ bezeichneten Alternativen der Beiden kann man in einer sogenannten „Auszahlungs-matrix“ zusammenfassen.

Das Gefangenendilemma steht im Gegensatz zur instrumentellen Vernunft. Diese ist eine Fähigkeit der Menschen, die uns in die Lage versetzt, zwischen unterschiedlichen Mitteln zum gegebenen Zweck auszuwählen. Die Handlung ist hierbei nur rational, wenn sie den Gesamtnutzen maximiert.

Dieses „pareto-inferiore“ Resultat will jeder auch innerhalb des Gefangenendilemmas erreichen. Doch können beide hier nicht nach der rationalen Vernunft handeln, da sie nicht allein die Konsequenzen für ihr Handeln tragen, und sie auch nicht wissen, was der andere tun wird. Man kann, meiner Meinung nach, nur nach der instrumentellen Vernunft handeln, wenn nur man selber alle Konsequenzen trägt.

Man könnte das Gefangenendilemma auf den Alltag übertragen, in dem man sich zwei Brüder vorstellt. Die beiden sind noch Kinder, und ihre Mutter hat ihnen verboten Süßigkeiten zu essen. Allerdings war die Mutter etwas gestresst und ist sich deshalb nicht sicher, ob die Kinder gegen das Verbot verstoßen haben.


Da die Kinder natürlich trotzdem Süßigkeiten gegessen haben, hängt ihre eventuelle Bestrafung von ihren Aussagen ab. Angenommen, ein Kind ist noch bei einem Freund, während die Mutter ihren anderen Sohn fragt, ob er die Bonbons gegessen hat.

Sagt das Kind nun, dass er und sein Bruder nichts genommen hätten, muss es hoffen, dass der Bruder das Selbe sagt, denn dann wird die Mutter beiden Kindern glauben und sie nicht bestrafen. Wenn er der Mutter erzählt, nicht er, sondern der Bruder habe gegen das Verbot verstoßen, wird der Bruder unter Umständen betraft, das erste Kind aber nicht. Wenn aber der Bruder die Wahrheit erzählt, wird das erste Kind zusätzlich noch für seine Lügen bestraft und nicht nur für das Essen der Bonbons.

Geben beide Kinder zu, Süßigkeiten genommen zu haben und sagen sie, dass es ihnen Leid tue, wird ihre Strafe weniger streng ausfallen.

Nun stellt sich die Frage, ob das Gefangenendilemma für oder eher gegen die Brauchbarkeit des Begriffes der instrumentellen Vernunft spricht.

Ich denke, dass man den Begriff „instrumentelle Vernunft“ durchaus benutzen kann, aber eben nicht in allen Situationen. Seine Brauchbarkeit wird eingeschränkt, sobald eine zweite Person ins Spiel kommt, die ebenfalls von dem betroffen ist, was die erste Person sagt oder tut. Geht es aber nur um eine Person, trifft die Theorie der instrumentellen Vernunft voll zu.