Essay zum Thema Medien

Wie die Entwicklung der Medien in Zukunft unsere Gesellschaft beeinflussen könnte

Nichts ist mehr unmöglich, zumindest kommt dieser Eindruck auf, wenn man sich die Entwicklung der Technik und der Medien in den vergangenen Jahrzehnten ansieht. Noch vor hundert Jahren existierte nur einen Bruchteil der Medien, die uns heute zur Verfügung stehen.

Es werden immer neue Techniken entwickelt, was dazu führt, dass die Menschen immer mehr Möglichkeiten haben und im Laufe der Zeit auch neue Medien entstehen, beziehungsweise die schon bewährten sich verändern.

Auch Bertolt Brecht wies schon 1932 in einer Rede über die Funktion des Rundfunks darauf hin, dass neue Erfindungen nicht bestellt sind. Wenn ein neues Gerät oder generell eine neue Idee auf den Markt kommt, muss diese sich erst beweisen. Die Idee wartet auf die Öffentlichkeit, nicht andersherum.


Auch wenn ein Großteil der Gesellschaft einem neuen, oder veränderten Medium zuerst meist kritisch gegenübersteht, lohnt es sich doch, sich Gedanken zu machen, wie sich die Medien in den nächsten Jahren und Jahrzehnten verändern könnten.

Es zeigte sich in den vergangenen Jahren gerade bei Kindern und Jugendlichen ein Trend ihre Freizeit im Haus zu verbringen. Anstatt rauszugehen und mit Freunden selbst etwas zu erleben, bleiben viele Heranwachsende lieber auf dem Sofa sitzen und sehen fern oder beschäftigen sich mit Computerspielen.

Der Aspekt, der immer dicker werdenden, bequemen Gesellschaft soll hier nun außer Acht gelassen werden. Jedenfalls muss der Mangel an Erlebnissen früher oder später ausgeglichen werden. Deshalb entsteht ein Trend zu immer interaktiveren Medien. In den nächsten Jahren wird es nicht nur möglich sein, noch mehr in das Fernsehprogramm einzugreifen und mit Anrufen oder Emails die Sendungen selbst mitzugestalten.

Verschiedene Unternehmen sind auch dabei interaktive Computerspiele zu entwickeln, bei denen der Spieler mit Hilfe von 3D-Brillen und Beamer scheinbar mitten im Geschehen drin ist. Das virtuelle Computerlabor DAVE (Definitely Affordable Virtual Enviroment), welches vor kurzem auf dem Campus-Fest der TU Braunschweig vorgestellt wurde, schafft aus einem unscheinbaren Raum fantastische Welten und gibt den Spielern die Illusion selbst etwas zu erleben, anstatt nur vor dem Bildschirm zu sitzen. Der Spieler wird in eine andere Welt versetzt und fühlt sich wie ein Held der Abenteuer erlebt.

Dass diese Art seine Freizeit zu verbringen Spaß macht ist sicherlich keine Frage, doch ob es gut für die Jugendlichen und damit auch für unsere Gesellschaft ist, in einer virtuellen Welt zu leben, ist eine andere Frage. Da wir jedoch durch neue Entwicklungen auf technischem Gebiet immer mehr Möglichkeiten haben, in eine nicht-real-existierende Welt abzutauchen werden wir das sicherlich in den nächsten Jahren immer häufiger tun.

Bestimmt werden neue Erfindungen das Leben der Menschen einfacher und bequemer machen. Schon heute gibt es unendlich viele Geräte und „Spielereien“ die unsere Freizeit oder unser Berufsleben bequemer machen. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahrzehnten noch fortsetzen. So müssen wir bald wahrscheinlich nicht mehr zahlreiche unterschiedliche Geräte, wie Handy, I-Pod und Timer in unserer Tasche herumtragen.

Die verschiedenen Geräte werden in Zukunft immer mehr verschmelzen. Schon heute ist es möglich, mit dem Handy Fotos zu machen und Musik zu hören. Wahrscheinlich werden die Menschen in einigen Jahren nur noch ein oder zwei Geräte brauche, die alle Funktionen auf einmal erfüllen. So bietet Vodafone nun zum Beispiel fernsehen für das Handy an. Noch kann sich kaum jemand leisten diesen Service regelmäßig zu nutzen, aber erfahrungsgemäß werden neu technische Erfindungen im Laufe der Zeit billiger und für jeden zu haben.

Wie das P.M. Magazin berichtet, haben britische Erfinder nun ein Lautsprecher-Implantat für Zähne entwickelt. Das könnte den Discman mit aufwendigen, sichtbaren Kopfhörer überflüssig machen und auch Handyfreisprecheinrichtungen könnten bald von der Bildfläche verschwinden. Ähnlich wie die vor kurzem entwickelten Jacken, in denen sich schon viele verschiedene Geräte wie Handy und eine Möglichkeit Musik zu hören befinden, ist es bald scheinbar auch möglich ganz unauffällig und unkompliziert verschiedene Erfindungen zu nutzen, da man sie schon am Körper trägt.

Eine weitere Veränderung der Medien, die uns unter Umständen in den nächsten Jahren erwarten wird hat nichts mit einer neuen Erfindung, sondern mit der Psyche der Menschen zu tun.


Als vor ca. 50 Jahren zum ersten mal Frauen im Minirock im Fernsehen oder in Zeitschriften erschien, war die Empörung, aber auch die heimliche Freude groß. Es war aufregend, Haut zu sehen und bei Erscheinen einer Frau im Badeanzug oder gar im Bikini wurde so Manchem die Röte ins Gesicht getrieben. Doch im Laufe der Zeit kam das Besondere an nackter Haut in dem Medien abhanden.

Heutzutage ist es nichts Spektakuläres mehr einen nackten Menschen im Fernsehen oder sogar auf Plakatwänden zu sehen. Ganz im Gegenteil, die Medien überschütten uns mit Sex. Egal, ob man in eine nachmittagliche Talkshow schaltet, oder unter einem eigentlich Kinderfreundlichen begriff wie „Freundinnen“ im Internet sucht, ständig stößt man auf Sex. Serien, wie „Sex and the City“ oder die bald im deutschen Fernsehen anlaufenden „Desperate Housewives“ vermitteln den Eindruck, dass jeder Mensch, egal welcher Herkunft und welcher Lebensführung ständig Sex hat.

Sex ist für die heutige Gesellschaft dermaßen wichtig geworden, dass es nicht ausbleibt, dass der „normale“ Mensch sich fragt, ob mit ihm irgendetwas nicht stimmt. Denn nach Umfragen von diversen Zeitschriften und Instituten sind die wenigsten Menschen mit ihrem Sexleben zufrieden.

Die Überschüttung mit nackten Menschen in den Medien macht das nicht besser, sondern setzt viele unter Druck, so dass kaum noch jemand ein normales Verhältnis zum Geschlechtsverkehr hat. Aufgrund dieser fraglichen Entwicklung in den vergangenen Jahren ist es sehr wahrscheinlich, dass die Fernsehproduzenten und andere Verantwortliche bald erkennen werden, dass es nicht gut und auch nicht gewünscht ist, so viel Sex in den Medien aufgezwungen zu bekommen.

Dieser Trend wird deshalb voraussichtlich bald nachlassen und sich vielleicht sogar ins Gegenteil wenden. Nachdem die Menschen nun mit Sex übersättigt sind, wird sich die Entwicklung möglicherweise bald wieder vollständig umkehren und ein blanker Busen im Fernsehen wird wieder zu etwas Besonderem.

Passend dazu entdeckten amerikanische Forscher jetzt, dass Frauen den Orgasmus vor rund 20 Jahren noch viel intensiver empfanden als heutzutage. Schuld daran sei, so die Forscher, die ständige Reizüberflutung durch Fernsehen, Internet und Musikberieselung der wir Tag für Tag ausgesetzt sind. Wenn wir nicht alle auf Dauer mehr oder weniger Krank werden wollen, bleibt es nicht aus, dass die Menschen sich wieder auf alte Werte besinnen und die Medien ruhiger gestalten werden.

Möglicherweise wird dies noch einige Zeit dauern und möglicherweise werden erst noch viel mehr Krankheiten wie Migräne oder ähnliches, die durch Reizüberflutung entstehen können, populär werden, aber sicherlich werden wir eines Tages wieder durchs Leben, beziehungsweise durch die Straßen, gehen können, ohne dass uns ständig Werbung, bunte Lichter oder ungewollte Musik belästigen.