Essay zum Thema Mediensoziologie 2

Medienkritik und Gesellschaftskritik

Fragestellung:

Wie sieht die Kritik der Kulturindustrie aus, und wie wird hier Medienkritik mit Gesellschaftskritik verbunden? Diskutieren Sie Stärken und Schwächen einer solchen Medienkritik vor allem in Bezug auf die Rezeptionsforschung.

Da gerade in der heutigen Gesellschaft die Medien und vor allem auch die Massenmedien sehr wichtig geworden sind, und sie aller Wahrscheinlichkeit nach in den nächsten Jahren an Signifikanz gewinnen werden, bleibt natürlich auch eine gewisse Kritik an den Medien nicht aus. So gab es schon immer Kritik an den Medien, wobei sie sich früher eher auf das Pressewesen bezog.


Heute sind vor allem drei medienkritische Konzepte von Bedeutung.
1. Die Kritik an den Medieninhalten.

Damit sind wohl zum Beispiel die nachmittäglichen Talkshows gemeint oder auch das „sinnlose Gemetzel“ in manchen Horrorfilmen. Es kann wohl definitiv niemand abstreiten, dass manche Sendungen praktisch nicht mehr zumutbar sind.

Obwohl man natürlich bedenken sollte, dass fast alles, was in den Medien präsentiert wird, Geschmackssache ist. Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass gerade das Fernsehprogramm in den letzten Jahrzehnten immer oberflächlicher geworden ist.

2. Den Zuschauern werden emotionale Defizite unterstellt. Zum Beispiel eine Reizüberflutung oder auch Mediensucht. Von Fällen wie „Computerspielsucht“ oder Ähnlichem hört man in der Tat immer häufiger.

Wie aus einem Fernsehbericht zu entnehmen war, existieren sogar mittlerweile erste Kliniken, in denen Computerspielsüchtige, meist Jungendliche, wie Drogenabhängige behandelt werden und versucht wird, sie in ein normales Leben zurückzuführen.

3. Immer wieder entstehen Zweifel, inwiefern die Medien wirklich objektiv und unbefangen sind. Wirtschaftliche Einflüsse könnten das Bild welches der Rezipient durch den Medienkonsum erhält verfälschen.

Ich denke hier ist gerade Italien ein gutes Beispiel. Der ehemalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist ja auch Besitzer einiger Fernsehsender, so dass die Grenze von Politik und Medien stark verschwimmt. Inwiefern Berlusconi auf der einen oder anderen Seite nicht mehr objektiv handelte, kann hier wohl nicht geklärt werden.

Auch Theodor W. Adorno und Max Horkheimer sind Kritiker der Kulturindustrie. Adorno nennt hierbei den Verfall der Musikkultur als Beispiel. Er meint, die Kultur werde zur Massenware, was wiederum zu einem Kulturzerfall führe.

Dazu passt auch die Theorie, dass die Musik durch die Verbreitung im Rundfunk erheblichen Schaden nehme. Da sie zur zerstreuenden Unterhaltung verkommt, kann sie nicht mehr auf ein „urteilfähiges Publikum autonomer Subjekte“ treffen.

Kritisiert wird vor allem auch, dass das Fernsehen oder überhaupt die Medien im allgemeinen, primär nur noch zur Unterhaltung dienen und stets die Gelegenheit genutzt wird, sich „selbst darzustellen“, wie eben in den besonders kritisierten Talkshows.

Auch wird immer wieder die Gewalt in den Medien bemängelt. Dabei stehen vor allem Filme und Computerspiele, wie das berühmte „Counterstrike“ im Vordergrund. Ein besonders aktuelles Beispiel für die Verbindung von Medien- und Gesellschaftskritik ist der Amoklauf in einer Schule vor ca. vier Wochen. Ähnlich wie beim „Massaker von Erfurt“ vor einigen Jahren, wurde hier ein Schüler angeblich durch brutale, gewalttätige Computerspiele inspiriert, lief in seiner eigenen Schule Amok und tötete mehrere Menschen sowie sich selbst.


Doch ob dieser junge Mann seine Tat nicht auch ohne das Computerspiel begangen hätte, ist eine andere Frage. Wahrscheinlich ist, dass zum Beispiel Politiker die Verantwortung von sich schieben wollen oder schnelle Lösungen präsentieren um selber besser dazustehen, deshalb  zum Teil  gewaltverherrlichenden Computerspiele als Grund für den Amoklauf nennen und diese nun sogar verbieten wollen.

Die Berichterstattung über den Golfkrieg ist ebenfalls ein Beispiel für die Verbindung von Medien- und Gesellschaftskritik. Laut einer medienkritischen These wird das Publikum durch die übermäßigen Berichte überwältigt.

Beziehungsweise kann man sich fragen, inwiefern die Berichterstattung in den Medien gerade bei solch einem schwierigen Thema wie dem Golfkrieg objektiv ist.

So ist nicht schwer zu erkennen, dass die inhaltlich gleichen Nachrichten von Fernsehsender zu Fernsehsender stark variieren. Die privaten Sender, wie beispielsweise „Pro Sieben“ oder „RTL 2“ zeigen in ihren Nachrichtensendungen um 20 Uhr ebenfalls Berichte über den Irakkrieg oder zum Beispiel Anschläge in dieser Region.

Doch kann man, meiner Meinung nach, schon pauschal sagen, dass sich die privaten Sender eher darauf konzentrieren, die Sensationslust der Zuschauer zu befriedigen. In der, im Gegensatz dazu, wohl eher objektiven „Tagesschau“ oder dem „Heute-Journal“ im ZDF werden weitaus seltener weinende Hinterbliebene, oder noch extremer, blutverschmierte Opfer gezeigt.

Natürlich kann man diesen Aspekt auch auf die Rezeptionsforschung beziehen. Schließlich würden „Pro Sieben“ und „RTL 2“ diese Art von Berichterstattung nicht senden, wenn nicht bei den Zuschauern eine gewisse Nachfrage danach bestehen würde.

Nach meinem Verständnis der Theorie der Kulturindustrie sind die Vertreter dieser Theorie der Meinung, dem Rezipienten würde nur unterstellt, er habe kognitive und emotionale Defizite.

Natürlich ist es sozusagen „eine Frechheit“ dies dem Rezipienten pauschal zu unterstellen. Dennoch muss dies ja zumindest teilweise zutreffen, wenn die eben beschriebene Art von Nachrichten so großen Anklang findet.

Eben deshalb bin ich nicht der Meinung, dass man eindeutig sagen kann, die rezipientenorientierte Sicht würde vernachlässigt werden. Dies wird ja als Schwäche der kritischen Medientheorie genannt. Dass die Medienkritik die Struktur der Medienangebote aufdeckt, denke ich ebenfalls. Ich bin auch der Meinung, dass sie sich von den oberflächlichen Inhalten löst und der Rezipient so „genauer hinschaut“.

Vielleicht kann die Medienkritik wirklich eines der von ihr angestrebten Ziele erreichen und die Gesellschaft nicht nur beurteilen, sondern auch ein Stück verbessern.

Dennoch bin ich persönlich nicht sicher, ob die Menschen in unserer Gesellschaft, oder zumindest in Teilen von ihr, wirklich selber medienkritisch sein wollen, oder ob sie, überspitzt ausgedrückt, nicht doch lieber weiterhin jeden Abend sensationshungrig auf neue blutige Leichen in den Nachrichten warten möchten.