Essay zum Thema Mediensoziologie

Die Rolle der Massenmedien

Fragestellung:

Welche Rolle spielen Medien der Massenkommunikation in der modernen Gesellschaft? Gehen Sie hierbei auf die Unterschiede zwischen sozialer Interaktion und Massenkommunikation ein.

Zunächst kann man ganz klar sagen, dass die Massenkommunikation eine sehr wichtige Rolle in unserer heutigen Gesellschaft spielt. So sagte auch schon der Soziologe Niklas Luhmann: „Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“


In den letzten Jahrzehnten sind die Massenmedien und damit die Massenkommunikation für fast alle Menschen immer wichtiger geworden. In den Jahren 2000 bis 2003, also in einem Zeitraum von nur drei Jahren, stieg die durchschnittliche Dauer des Fernsehkonsums bei Erwachsenen um 14 Minuten an. Da ist es wohl zu erwarten, dass diese in den nächsten Jahren noch weiter ansteigen wird.

Die soziale Interaktion ist die Kommunikation unter Anwesenden. Es sind zwei oder mehrere beteiligte Personen anwesend und nehmen sich auch gegenseitig als anwesend war. Die „natürlichste“ Form des sozialen Handelns ist die sogenannte „Face-to-Face“- Interaktion.

Im Unterschied zur Massenkommunikation ist es wichtig, dass die soziale Interaktion weitgehende wechselseitige Verstehenskontrollen ermöglicht. Man kann also nachfragen, wenn man etwas nicht verstanden hat, und der Gesprächspartner kann seine Ausführungen noch einmal erläutern. Der Rezipient kann also ein direktes Feedback geben, was ja zum Beispiel bei einer Fernsehshow oder bei Nachrichten nicht möglich ist. Die Kommunikation über Massenmedien ist also nur einseitig.

Die Massenkommunikation hingegen ist die Abkopplung von sozialer Interaktion. Sie ist eine Art von Kommunikation, die sich von der Bedingung der Anwesenheit der Kommunikationsbeteiligten löst. Es ist also eine „Fernkommunikation“. Die Kommunikation überwindet überschaubare interaktive Handlungsräume.

Ein gutes Beispiel für den Unterschied zwischen sozialer Interaktion und der Massenkommunikation ist eine „Wetten dass…“-Sendung. Obwohl der Moderator die Zuschauer zu Hause begrüßt und es diesen vorkommt, als seinen sie wirklich dabei, ist es doch ein großer Unterschied. So würde der Professor am Anfang einer Vorlesung niemals sagen „heute aus dem Hörsaal der Uni Bielefeld“, wie Thomas Gottschalk es tut. Die Studenten wissen wo sie sind, da sie ja wirklich dabei sind und den Dozenten nicht etwa über einen Bildschirm sehen.

Es gibt also keine Möglichkeit der Rückkopplung bei der Massenkommunikation. Gottschalk wird es nicht mitbekommen, wenn die Zuschauer ihn nicht verstehen oder gelangweilt sind. Jedenfalls nicht unmittelbar. Im Hörsaal hingegen können die Studenten es direkt sagen, wenn der Professor beispielsweise zu leise spricht.

Massenkommunikation verläuft also einseitig und abgekoppelt von der Wechselseitigkeit sozialer Interaktion. Bei dieser einseitigen Art kann auch eine zeitliche Differenz bestehen, obwohl das den Rezipienten gar nicht auffallen muss.

So sind Fernsehsendungen oder auch Berichte im Radio oft nicht live. Dem Zuschauer oder dem Hörer ist dies meist nicht bewusst. Oft werden Sendungen auch als „live“ ausgegeben, obwohl sie es nicht sind.

Außerdem ist die Massenkommunikation im Gegensatz zur sozialen Interaktion öffentlich, also für alle zugänglich, nicht nur für die Anwesenden. Selbst wer keinen Fernseher besitzt, sogenannter „Nichtseher“ ist, kann sich immer noch über Zeitungen, Internet oder Radio informieren.


Bei einem Gespräch, sei es unter „vier Augen“ oder in der Gruppe, wissen nur die Anwesenden, was genau gesagt wurde. Dritten muss dieses erst nacherzählt werden. Viele erfahren es nie.

Da die Aussagen, die in den Massenmedien vermittelt werden sollen, von den Adressaten nicht immer auch verstanden werden, könnte man meinen, dass die Massenkommunikation eigentlich kein Kommunikationsprozess ist. Dieser Meinung ist zumindest der Soziologe Burkart.

Die Massenkommunikation ist also sehr wichtig geworden. Frühere primitive oder archaische Gesellschaften kannten sie noch nicht. Sie kamen meist mit der Sprache aus, um Informationen auszutauschen.

Dass dieses heutzutage ganz anders ist, kann man gut am Beispiel des 11. Septembers, also der Anschläge auf das World Trade Center, erkennen. Denn durch die Medien, wie zum Beispiel Kameras und Fernsehteams, die von außen die Geschehnisse besser erkennen konnten, waren die Zuschauer vor den Fernsehbildschirmen meist eher und auch besser informiert als die unmittelbar Beteiligten.

Es wurde berichtet, dass Angehörige der im World Trade Center Eingeschlossenen diese über ihre Handys, also durch die soziale Interaktion darüber informieren mussten, was geschehen war, was sie im Fernsehen, der Massenkommunikation, erfahren hatten. Nur so konnten sie ihnen helfen.

Eine Gesellschaft besteht aus Kommunikation und nicht etwa aus „Menschen“. Die meisten können sich, zumindest in Deutschland oder anderen westlichen Ländern, ihr Leben nicht mehr ohne Fernsehen und Ähnlichem vorstellen. Bekam man früher, noch vor etwa hundert Jahren, die Neuigkeiten erst mit, wenn man aus dem Haus ging und sich mit Menschen in unmittelbarer Umgebung unterhielt, erfährt man heutzutage schon beim Frühstück was geschehen ist.

Man muss nur den Fernseher einschalten oder die Tageszeitung aus dem Briefkasten holen. Da es keine Fernseher, Radio und so weiter gab, musste man auch oft sehr lange warten, bis Nachrichten aus andern Ländern eintrafen. Und selbst dann konnte man nicht sicher sein, dass man selber genau so informiert war wie seine Mitmenschen.

Heute kann man davon ausgehen, dass die meisten Menschen mindestens einmal am Tag Nachrichten im Fernsehen sehen oder eine Zeitung lesen. In der Regel sind wir alle ungefähr auf dem gleichen Wissensstand. Nur so kann unsere Gesellschaft überhaupt funktionieren. Nur so können zum Beispiel Politiker sofort auf Geschehenes reagieren und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen. Auch die Wissenschaft, die Wirtschaft und so weiter müssen sich in der heutigen Mediengesellschaft an der Massenkommunikation orientieren.

Man kann als Fazit festhalten, dass die Massenkommunikation aus der heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken ist und ihre Relevanz wahrscheinlich noch zunehmen wird.

Natürlich wird auch die soziale Interaktion weiterhin existieren, da sie einfach zum Alltag gehört. Denn im Gegensatz zur Massenkommunikation kann man der sozialen Interaktion so gut wie überhaupt nicht entgehen. Zwar wird man überall mit Massenkommunikation konfrontiert, sei es beispielsweise, wenn in der Universitätshalle ein Fernseher läuft, jedoch ist ja schon jede Unterhaltung, jeder Blickwechsel mit einem anderen Menschen Interaktion.

Beides spielt sicherlich für unser Leben, unsere Entwicklung und sogar unseren Charakter eine enorme Rolle und sind aus unseren Leben nicht wegzudenken.