Essay zum Thema Moralphilosophie 2

Immanuel Kants „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“

Fragestellung:

Bitte fassen Sie die Vorrede zur Grundlegung in eigenen Worten und so voraussetzungsfrei wie möglich zusammen. Diskutieren Sie die Frage, welche Behauptung von Kant in diesem Zusammenhang eher problematisch und welche eher unproblematisch sind. Könnte ein Philosoph des 21. Jahrhunderts ein Buch noch mit einer solchen Vorrede eröffnen?

Kant beginnt seine Vorrede, in dem er die alte griechische Philosophie in drei Wissenschaften einteilt. Physik, Ethik und Logik. Diese Einteilung stammt zwar nicht von ihm selbst, aber Kant unterstützt diese.

Anschließend macht er noch eine weitere Unterscheidung, in dem er „alle Vernunfterkenntnis“ in material und formal teilt.


Er meint, dass die Logik zur formalen Philosophie gehöre, zur materiellen gehören hingegen Ethik und Physik. Die materielle Vernunfterkenntnis aber unterteilt Kant noch einmal in Gesetze der Natur und der Freiheit, wobei die Physik der Natur angehört, die Ethik zur Freiheit.

Kant stellt nun die These auf, dass die Logik keinen empirischen Teil haben kann, Ethik und Physik hingegen schon.

Im nächsten Absatz führt Kant den Begriff der Metaphysik ein. Diese, so meint er, sei die empirische Philosophie, die auf „bestimmte Gegenstände des Verstandes eingeschränkt“ ist.

Es folgt nun eine neue Unterteilung. Die Metaphysik kann man, laut Kant, in die „Metaphysik der Natur“ und die „Metaphysik der Sitten“ teilen. Er beschreibt anschließend die Arbeitsteilung, die sich im Laufe der Zeit in allen Handwerken und Gewerben ereignet hat. Wo keine Arbeitsteilung stattgefunden hat, herrsche Barbarei.

Er fragt sich, ob man in diesem Zusammenhang nicht den empirischen vom rationalen Teil trennen sollte, und ob man nicht der Physik eine Metaphysik der Natur vorausschicken sollte, sowie der praktischen Anthropologie eine Metaphysik der Sinne.

Kant schränkt dann aber seine äußerst umfangreiche Frage etwas ein. Er fragt, ob man sich nicht mit der Moralphilosophie beschäftigen sollte, die von allem empirischen und zur Anthropologie gehörendem „gesäubert“ ist.

Gesetze gelten zwar, laut Kant, nicht nur für Menschen, andere „vernünftige Wesen“ bräuchten sich allerdings nicht darum zu kümmern. Alle übrigen Sittengesetze seien hingegen praktische Regeln und keine moralischen Gesetze.

Die moralischen Gesetze unterschieden sich nicht wesentlich von allem Übrigem. Stattdessen beruht die Moralphilosophie auf ihrem reinen Teil und entlehnt auf den Menschen angewandt nichts von der Kenntnis der Anthropologie.

Kant hält viel von der Metaphysik der Sitten, sie sei unentbehrlich. Dies liege daran, dass die Sitten selber der Verderbnis unterworfen seien. Denn, laut Kant, muss alles moralisch Gute nicht nur nach dem sittlichen Gesetz gemäß geschehen, sondern auch „um desselben Willen“.

Das sittliche Gesetz sei in der reinen Philosophie zu suchen, was dazu führt, dass es, laut Kant, ohne die Metaphysik keine Moralphilosophie geben kann.

Die sogenannten „allgemeinen praktischen Weltweisheiten“ unterscheiden sich enorm von einer Metaphysik der Sitte. Diese soll die Idee und die Prinzipien eines „reinen Willens“ untersuchen.

Es widerspreche Kants Thesen nicht, dass in allgemeinen praktischen Weltweisheit von moralischen Gesetzen und Pflichten geredet wird. Die moralischen Beweggründe werden nicht von den empirischen unterschieden, sondern es wird nur auf die größere oder kleinere Summe geachtet. Dadurch entsteht ein Begriff von „Verbindlichkeit“, der so beschaffen ist, dass eine Philosophie über den „Ursprung“ aller möglichen praktischen Begriffe nicht urteilt.

Dies alles sind die Grundlegungen für Kants weitere Thesen. Er fordert aber zur Kritik einer reinen, praktischen Vernunft, dass sie gleichzeitig mit der spekulativen Vernunft dargestellt werden muss.

Denn Kant ist der Meinung, die beiden seien gleich und unterscheiden sich nur in ihrer Anwendung.Kant meint weiter, er habe den Leser nicht verwirren wollen und habe sich deshalb mit der „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ beschäftigt.

Allerdings ist er auch der Meinung, dass eine „Metaphysik der Sitten“ doch sehr populär sei. Das „oberste Prinzip der Moralität“ ist aber das, was hier zugrunde liegt und ein „Geschäft“ ausmacht, welches von aller anderen sittlichen Untersuchung abzusondern sei.

Kant glaubt, dass seine Behauptungen viel Zustimmung erhalten würden, wenn man dieses System anwenden würde. Er selber hält sich für eher „eigenliebig als gemeinnützig“.


Kant stellt im Vorwort schon einige seiner Thesen und Theorien kurz vor. Er versucht zu erklären, wovon sein Buch „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ handeln soll.

Allerdings benutzt er an einigen Stellen Formulierungen, die meiner Meinung nach etwas „unglücklich“ gewählt wurden. So behauptet er zum Beispiel an einer Stelle: wo keine Arbeitsteilung stattgefunden hat, herrsche Barbarei. Dies halte ich doch für sehr provokant. Natürlich kann man sagen, dass die Arbeitsteilung in den meisten Fällen Fortschritt bedeutet. Allerdings finde ich es nicht in Ordnung, die ältere Weise zu arbeiten gleich als „Barbarei“ zu betiteln. Schließlich funktionierte diese Art zu arbeiten ja vor der Einführung der Arbeitsteilung auch.

Die zweite kritische Stelle im Vorwort ist, meiner Meinung nach, das Wort „säubern“ im Zusammenhang mit der Moralphilosophie, die von allem empirischen und anthropologischem „gesäubert“ werden soll.

Ich denke, dass man mit dem Begriff „gesäubert“ vorsichtig umgehen sollte, da es doch stets ein wenig an die Nazi-Vergangenheit Deutschlands denken lässt, als dies von den Juden „gesäubert“ werden sollte.  Zwar ist all dies lange nach Immanuel Kants Tod geschehen, dennoch sollte dies als Kritikpunkt nicht unerwähnt bleiben.

Der dritte Punkt, der mir persönlich missfällt, ist dass, laut Kant, Gesetze nicht nur für Menschen, sondern auch für „andere vernünftige Wesen“ gelten sollen.

An dieser Stelle kann man sicherlich darüber streiten, ob es denn überhaupt neben dem Menschen noch weitere „vernünftige Wesen“ gibt. Gemeint sind hiermit wahrscheinlich Tiere. Ob man diese allerdings als „vernünftig“ bezeichnen kann, darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein. Ich persönlich gehe aber davon aus, dass der Mensch das einzige „vernünftige“ Wesen ist.

Besonders aufgrund dieser drei Punkte bin ich der Meinung, dass heutzutage kein Philosoph eines seiner Bücher mit solch einem Vorwort beginnen könnte.

Ich denke schon, dass ein Philosoph des 21. Jahrhunderts Teile des Vorworts ebenfalls so schreiben könnte. Allerdings würden sicherlich vielen Kritikern einige Dinge negativ auffallen. Dabei denke ich besonders an das von mir schon kritisierte Wort „säubern.“

Auch der Punkt, in dem er das Wort „Barbarei benutzt“, würde heute bestimmt sehr provozieren. Zu Kants Zeiten mag dies sowie der Rest des Vorworts in Ordnung gewesen sein. Doch für die heutige Zeit würde es wohl ein wenig umgeschrieben werden müssen, würde man es zum ersten Mal veröffentlichen wollen.