Essay zum Thema Moralphilosophie 3

Aristoteles, Peter Stemmer und das „gute Leben“

Fragestellung:

Peter Stemmer stellt sich in diesem Aufsatz in die aristotelische Tradition der Moralphilosophie, insofern, dass er den Begriff des guten Lebens ins Zentrum seiner Überlegungen stellt. Bitte erläutern Sie in eigenen Worten und so verständlich wie möglich, wie Aristoteles bestimmt, was ein gutes Leben ist. Erklären Sie daraufhin Stemmers Kritik an der aristotelischen Antwort und seinen alternativen Entwurf einer Antwort. Wo erscheint Ihnen Stemmers Position plausibel? Wo vielleicht auch kritikwürdig?


In der antiken Ethik, beziehungsweise seit Aristoteles, wird die Frage nach einem guten Leben vor allem als Frage nach dem Glück formuliert. Allerdings ist „Glück“ hier nur ein anderes Wort für „das beste Leben“.

Aristoteles führt gleich zu Beginn seiner „Nikomachischen Ethik“ den Begriff „Ergon“ ein. Wenn man das Ergon des Lebens kennen würde, wüsste man, was ein gutes Leben ist. Aber ein Ergon können laut Platon und Aristoteles nur natürliche und künstliche Gegenstände haben. So ist zum Beispiel das Ergon eines Messers das Schneiden und das Ergon einer Säge das Sägen.

Auf die Frage, wie man diese Theorie auf das Leben beziehen kann, was also zum Leben steht, wie das Schneiden zum Messer, antwortet Aristoteles „die Seele“.

Doch um sich hierbei nicht im Kreis zu drehen, muss man von einer ´speziellen´ menschlichen Seele sprechen. Aristoteles meint, ein Leben, zu dem es gehört zu überlegen, sei das spezifische Ergon der menschlichen Seele.

Aristoteles versucht also, laut Peter Stemmer, eine bestimmte Art zu leben, als die für alle allein richtige auszuzeichnen, obwohl er natürlich sieht, dass die Menschen faktisch verschiedene Glückskonzeptionen haben.

Dies ist Stemmers Kritik an Aristoteles Theorie. Laut Stemmer sagt Aristoteles, dass Ergon und Telos (also Zweck) einer Sache genau dasselbe seien (darstellen).

Er meint außerdem, dass ein „guter“ Gegenstand dann gut ist, wenn er das tut, was wir von ihm wollen. Wenn also das Messer schneidet oder die Säge sägt. Nur wenn es die Anforderungen erfüllt, die wir an den Gegenstand stellen, ist es gut.

Dennoch können die Anforderungen, die wir an ihn stellen, stark variieren. Deshalb können die Kriterien des „Gutseins“ auch bei ein und demselben Gegenstand verschieden sein. So ist zum Beispiel bei einem Tier nicht klar definiert, was wir für Anforderungen haben. Wann ist ein Zebra ein gutes Zebra?

Stemmer ist der Meinung, Aristoteles liege falsch, wenn er meint, (dieser die Meinung vertritt,) wenn man das Spezifische eines Gegenstandstypus kenne, wisse man auch was das Gutsein des Gegenstandes ausmacht.


Auf das Leben übertragen meint Stemmer, dass ein gutes Leben ein Leben ist, welches die Anforderungen erfüllt, die die jeweilige Person an sein eigenes Leben stellt. Da jede Person unterschiedliche Anforderungen stellt, ist das Leben auf unterschiedliche Weisen gut.

Ein große Rolle spielt für Stemmer auch das Phänomen des Wollens. Die einzelne Person sollte über das aufgeklärt sein was sie will, sonst weiß sie nicht, ob es wirklich das richtige ist.

Stemmer meint, es gebe nicht nur ein Kriterium für das Gutsein des Lebens, sondern verschiedene, weil die Menschen ja auch verschiedene Dinge wollen.

Stemmers Position kann ich persönlich absolut nachvollziehen. Jeder Mensch will etwas anderes vom Leben und ich denke, da wir den berühmten „Sinn des Lebens“ niemals kennen werden (wenn es ihn (diesen) denn überhaupt gibt), muss jeder selber für sich entscheiden, was er vom Leben erwartet. Und somit auch, was für ihn selber ein gutes Leben ist.

Als einziger Kritikpunkt fällt mir auf, dass das, was Stemmer am Anfang als „Trivialantwort“ bezeichnet, nämlich den Satz „Leb´ das Leben, das unter denen, die dir möglich sind, das beste ist“ doch eigentlich kein großer Unterschied zu dem ist, was Stemmer am Ende seines Textes selber sagt.

Beides beinhaltet, dass jeder Mensch auf unterschiedliche Weise das Beste aus seinem Leben machen sollte. Was das Beste ist, muss man letztendlich selbst entscheiden.