Essay zum Thema Schönheitsideal

Wie die Medien beeinflussen, was heute als „schön“ empfunden wird

„Man kann nie zu reich oder zu dünn sein!“ sagte schon die Herzogin von Windsor. Dies ist genau das Bild,  das die Medien gerade heutzutage vermitteln. Laut Internet, Zeitschriften und Fernsehen kann man vor allem nie zu dünn oder zu schön sein. In der heutigen Zeit kann man kaum eine Zeitschrift aufschlagen, den Fernseher anschalten oder überhaupt mit geöffneten Augen durch die Straßen gehen, ohne dass einem dabei unheimlich schöne und im wahrsten Sinne des Wortes „unheimlich“ dünne Frauen ins Auge springen.

Natürlich gab es schon immer ein gewisses Schönheitsideal, das die Menschen anstrebten. Schon im alten Ägypten entfernten die Frauen ihre Beinbehaarung mit Wachs und zogen schwarze Striche um ihre Augen, um ihnen ein möglichst geheimnisvolles Aussehen zu verleihen.


Doch erst seit Medien wie Fernsehen, Zeitschriften und Internet existieren, ist es den Menschen, und besonders jungen Frauen, derart wichtig geworden, ein äußeres Erscheinungsbild zu besitzen, das einem Supermodel möglichst ähnlich sieht.
Erst seit den neuen Medien ist es leicht möglich, Bilder zu veröffentlichen und sie allen Menschen zugänglich zu machen.

Da vor einigen Jahrhunderten noch keine Bilder von Menschen in die Öffentlichkeit gerieten, ist es verständlich, dass die Menschen zwar zum Teil „Fans“ von bestimmten Dingen waren, wie beispielsweise der Werther-Kult bei Erscheinung des Buches, jedoch war es ihnen unmöglich, genauso aussehen zu wollen wie ihre Idole (sofern es damals überhaupt schon richtige Idole gab), da sie gar nicht wussten, wie diese denn aussahen.

In den 60er Jahren begann nach und nach die Hysterie um Idole und vor allem der Wunsch, so auszusehen wie sie. Twiggy war das Supermodel der 60er. Sie war erfolgreich, hübsch und sehr, sehr schlank. Nachdem sich besonders die jungen Mädchen und Frauen jahrelang bemüht hatten um ebenfalls so unterernährt auszusehen, wurde die Gesellschaft in den 70er  Jahren scheinbar wieder vernünftiger und normalgewichtige Frauen wurden verehrt.

Doch in den 80er Jahren ging das Übel von neuem los. Aus Amerika schwappte die Fitnesswelle nach Deutschland. Zu dieser Zeit wurden zahlreiche Fitnessvideos von Supermodels und anderen perfekt trainierten Frauen auf den Markt gebracht. Kaum jemand kann leugnen, damals so ein Video im Schrank gehabt zu haben.

Neu war allerdings, dass nun auch zum ersten mal Männer wirklich von dem Schönheitsideal beeinflusst wurden. Der „Yuppi“ war das Vorbild der meisten Männer unter vierzig. Jung, erfolgreich und gutaussehend.

Um einen trainierten Körper und ein gepflegtes Äußeres zu haben, betrieben Männer erstmals nicht nur Sport, sondern achteten auch auf ihre Ernährung und benutzten zum Teil Hautpflege, wenn nicht gar Make up. Der „metrosexuelle“ Mann war geboren.

Zwar kam dieser Begriff in den Medien erst vor einigen Jahren auf, was dazu führte, dass Männer heutzutage stolz darauf sind, sich zu pflegen und sich nicht mehr verstecken müssen, wenn sie eine Feuchtigkeitslotion verwenden, jedoch gab es das, was wir heutzutage unter dem „metrosexuellen“ Mann verstehen, schon in den 80ern.

In den 90ern wurden Models die neuen Vorbilder. Nun versuchten viele junge Menschen nicht mehr durch Sport oder gesunde Ernährung das von den Medien vorgegebene Schönheitsideal zu erreichen. Der sogenannte „Heroin-Chic“ kam in Mode: klapperdürre, bleiche Mädchen mit schwarzen Ringen unter den Augen, die den Eindruck erweckten, jeden Moment vom Laufsteg zu kippen. Von nun an hatten viele junge Frauen eine neue Methode entdeckt „Schön“ zu werden. Sie hungerten und rauchten Kette, um den Hunger zu vergessen.


Heute, nach der Jahrtausendwende, gibt es kein ganz so einheitliches Bild von Schönheit mehr. Viele Menschen sind auf die Idee gekommen, dass es doch besser ist, auf gesunde Weise das Beste aus sich zu machen und sich ab einem bestimmten Punkt so zu akzeptieren wie sie sind. Bücher wie „Das Moppel-Ich“ von Susanne Fröhlich, die auf witzige Art den Umgang mit dem Pfunden beschreiben und propagieren, auf gesunde Weise abzunehmen, sind Bestseller.

Andere hingegen sind Anhänger von sexy Popstars oder von sogenannten „Ludern“. Popsängerinnen wie Britney Spears oder Christina Aguilera sind Teenie-Idole. Die beiden konkurrierenden Amerikanerinnen verschaffen sich vor allem dadurch Aufmerksamkeit, dass sie in Outfits, die mehr enthüllen als verdecken und mit langen, blonden Haaren ihre üppigen Rundungen kreisen lassen und wahlweise im Schlamm oder Regen mit einem „Ich-bin-willig-Blick“ sexy in die Kamera hauchen.
Dass pubertierende Jungs davon begeistert sind, kann man ihnen nicht einmal verübeln.

Doch leider wollen auch 12-jährige Mädchen so sein wie Britney oder Christina. Das wiederum führt dazu, dass Mädchen, die eigentlich lieber mit Barbies spielen oder Sticker tauschen sollten, mit Aufschriften wie „Luder“ oder „Sexbomb“ auf dem Shirt durch die Gegend laufen und ihre kaum vorhandenen, in einen Push-up gezwängten Brüste, hüpfen lassen. Manche 14-jährige trägt heutzutage an einem normalen Schultag mehr Make-up im Gesicht als ihre Mutter zu Silvester.

Doch solange die heranwachsenden Mädchen „nur“ mit Kleidung und Make up versuchen, ihren durch die Medien vermittelten, Idolen näher zu kommen, kann man diesen Trend noch tolerieren. Vielleicht nimmt es den Mädchen ein Teil ihrer Kindheit, wenn sie so früh versuchen erwachsen zu sein, aber vielleicht werden Kinder heutzutage auch durch andere Gründe immer früher erwachsen.