Essay zum Thema Seelentheorie

Fragestellung:

Erläutern sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Seelentheorien von Platon und Aristoteles.

Ich werde nun zuerst die Seelentheorie von Platon erklären, danach die von Aristoteles.  Anschließend werde ich einen kurzen direkten Vergleich zwischen den beiden Theorien ziehen.

Platon:
Platon meint, dass der wirkliche Mensch seine Seele ist. Er ist nicht identisch mit seinem Körper, beziehungsweise dem Leichnam der zurückbleibt, wenn der Mensch stirbt. Laut Platon verlässt die Seele, also der wirkliche Mensch, beim Tod seinen Körper.


Er sagt, die Seele gehöre zum Bereich des Unsichtbaren, sie ist nicht materiell und ist ihrer Natur nach den Ideen ähnlich.

Im Gegensatz dazu steht der Körper. Er ist materiell und sichtbar. Der Körper, so Platon, ist auf  Sinneserfahrungen und Lust aus und verhindert so, dass die Seele zu ihrer eigentlichen Erkenntnis der Ideen gelangt.

Das eigentliche Selbst eines Menschen, also die eigentliche Person, ist die Seele, sagt Platon. Die unsterbliche Seele ist nur während des irdischen Lebens mit dem Körper verbunden. Wenn sie sich vom Körper löst, stirbt der Mensch.

Platon hat mehrere Argumente, die für die Unsterblichkeit der Seele sprechen.

1. Antapodosis: Alles, was entsteht, entsteht aus seinem Gegenteil, aber es gibt bergänge von der einen auf die andere Seite.

2. Anamnesis: Da der Mensch über Wissen verfügt, das wir nur vor der Geburt erworben haben können, muss die Seele schon vor der Geburt existiert haben.

3. Syngeneia: Der Körper konzentriert sich auf die vergänglichen, empirischen Dinge und ist damit selbst vergänglich. Die Seele hingegen strebt nach der Erkenntnis der Ideen und ist, wie die Ideen auch, unvergänglich.

4. Ideenlehre: Die Seele bringt als Lebensprinzip das Leben mit und schließt den Tod aus. So wie auch die Dreiheit Ungradheit mit sich bringt und Gradheit ausschließt.

Aristoteles:
Aristoteles hält es für unvernünftig, Seele und Körper zu trennen. Er sagt, dies sind keine zwei Dinge. Er meint, man kann bei allen Dingen drei Unterscheidungen machen:

-Stoff (hyle)
-Form (morphe, eidos, to ti en einai)
-das zusammengesetzte Produkt aus beiden (tode ti).

Diese Theorie nennt man Hylemorphismus. So entsteht aus Ziegel und Balken (Stoff) und deren Fähigkeit  Schutz zu spenden (Form) ein Haus (Produkt aus beiden).


Ein weiteres Beispiel ist die Axt. Sie besteht aus Holz und Eisen, also dem Stoff. Holz und Eisen werden zusammengefügt und so geformt, dass eine Axt entsteht, wie wir sie kennen. Das ist ihre Form. Stoff und Form sind dann die eigentlich Axt.

Das Produkt aus beiden nennt Aristoteles „Substanz“, oder „Ousia“. Die Seele ist für ihn Ousia, im Sinne von Form. Die Form von Lebewesen, das was es ausmacht ein Lebewesen zu sein, ist die Seele.

Aristoteles meint damit die für jedes Lebewesen charakteristischen Fähigkeiten, wie die Fähigkeit zu wachsen, sich zu ernähren und zu reproduzieren, also die vegetative Seele.

Außerdem die animalische Seele, welche die Fähigkeit meint, etwas wahrzunehmen und sich zu bewegen.

Die dritte charakteristische Fähigkeit ist die Fähigkeit zu denken, also die denkende Seele.

Aristoteles sagt, dass die Seele der Inbegriff und zugleich der Grund all dieser Eigenschaften und Fähigkeiten ist. Die Seele ist nicht der Körper als Form des Lebewesens und auch nicht das ganze Lebewesen. Aber sie braucht als Form einen Stoff, nämlich den Körper.

Fazit:

Gemeinsamkeiten:
Beide erkennen an, beziehungsweise glauben daran, dass es eine Seele gibt, also jeder Mensch eine Seele besitzt.

Unterschiede:
Aristoteles meint, der Mensch besteht nicht aus zwei Dingen, nämlich Körper und Seele. Er bezeichnet Platon als unvernünftig, da dieser meinte, die Seele sei nicht identisch mit dem Körper.

Aristoteles und Platon stellen die Seele aber auf ganz unterschiedliche Arten dar, so dass ein direkter Vergleich zwischen den beiden kaum möglich ist. So hat Aristoteles zum Beispiel nicht die gleichen vier Argumente, die bei Platon für die Unsterblichkeit der Seele sprechen.

Dafür unterteilt Platon nicht alle Dinge in Stoff, Form und das Produkt aus beiden.