Essay zum Thema Zweifelsgründe

René Descartes „erste Meditation“

Fragestellung:

Erläutern Sie die drei Zweifelsgründe, die Descartes in der ersten Meditation anführt. Welche Überzeugungen lassen sich mit Hilfe dieser Zweifelsgründe als zweifelhaft erweisen? Welche nicht?


Ich werde nun zuerst die drei Zweifelsgründe, die Descartes in der ersten Meditation anführt erläutern. Dabei werde ich mit dem ersten Zweifelsgrund, der sich auf Sinnestäuschungen bezieht, beginnen.

Danach folgt der zweite Zweifelsgrund, welcher vom Träumen handelt. Schließlich werde ich den dritten Grund erklären, der sich mit der Möglichkeit eines, mich täuschen wollenden Dämons befasst.

Am Ende werde ich noch „sum, existo – ich bin, ich existiere“ erläutern, welches quasi die einzige Überzeugung ist, die sich mit Hilfe dieser Zweifelsgründe nicht widerlegen lässt.

Der erst Zweifelsgrund Descartes besagt, dass alles, was wir bis jetzt für wahr gehalten haben, wir von unseren Sinnen empfangen haben. Diese Sinne aber, haben uns schon mal getäuscht und es sei, laut Descartes, doch nur klug, Niemandem zu vertrauen, der uns auch nur ein Mal getäuscht hat. Deshalb meint er, da unsere Sinne uns manchmal täuschen, sind vielleicht gar keine Erfahrungen wahr, die auf Sinneserfahrungen beruhen.

Gemeint ist wohl, dass unsere Sinne sich manchmal täuschen, wenn wir, zum Beispiel betrunken sind, oder müde, oder etwas einfach zu schnell machen. So könnte es ja auch sein, dass sie uns ständig täuschen.

Als Einwand könnte man anführen, dass wir uns ja „mit Verrückten vergleichen“ müssten, wenn wir an den einfachsten Dingen zweifeln und nicht glauben, dass wir gerade hier sitzen, eine Hose anhaben und einen Essay schreiben.

Descartes meint also, dass es sehr wohl Überzeugungen gibt, die auf Sinneserfahrungen beruhen, bei denen wir uns aber ganz sicher sein können, dass sie wahr sind.

Der zweite Zweifelsgrund beschäftigt sich mit der Frage, ob es sein kann, dass wir immer nur Träumen. Denn wenn wir wirklich Träumen, kommt es uns meistens alles ganz real vor. So könnte es ja sein, dass wir nicht nur nachts, sondern unser ganzes Leben lang träumen.


Im Traum sieht alles auf eine bestimmte Art aus, ist aber in Wirklichkeit ganz anders. Es gibt mögliche Umstände in denen es epistemisch wahr aussieht, aber in Wirklichkeit sind diese Überzeugungen falsch.

Um genau diese Theorie geht es ja auch in bekannten Filmen, wie „Matrix“ oder „Vanilla Sky“. Die Menschen in diesen Filmen träumen praktisch ihr ganzes Leben nur, wissen es aber nicht, sondern halten alles für real.

Allerdings erscheinen uns im Traum nur Dinge, die nach dem Vorbild wirklicher Dinge gebildet werden und somit wirklich existieren müssen. Und selbst, wenn es so etwas ähnliches überhaupt nicht gibt, so müssen doch wenigstens die Farben der Dinge wirklich sein.

Also kann man zusammenfassend sagen, dass nur einzelne Wahrnehmungsüberzeugungen durch die Möglichkeit des Traums zweifelhaft werden, aber einige Dinge auch wahr sein müssen.

So müssten alle Dinge eine gewisse Gestalt und Farbe haben, alle Dinge müssen an einem bestimmten Ort sein und verändern sich in der Zeit.

Der Dritte Zweifelsgrund beschäftigt sich mit einem Wesen, das uns täuschen will. Dies kann Gott sein, oder auch ein böser Dämon.

Ein Quadrat hat immer vier Seiten, so oft wir auch nachzählten, es bleibt dabei. Aber könnte es nicht sein, dass Gott uns jedes Mal täuscht, wenn wir nachzählen? Da Gott aber allgütig ist, muss, wenn eben diese „Täuschungs-Theorie“ stimmt, laut Descartes, ein böser Dämon existieren, der uns täuschen will.

Dann wären alle Überzeugungen zweifelhaft, auch alle mathematischen und logischen Überzeugungen. So kann man sich fragen, ob es überhaupt eine Überzeugung gibt, an der man nicht zweifeln kann.

Dies leitet zu meinem letzten Punkt über. „Sum, existo – ich bin, ich existiere“ besagt, dass wir etwas sind, so lange wir denken, dass wir  etwas sind. Ich bin ich, so sehr mich der böse Dämon auch täuschen mag. Laut Descartes kann ich nicht denken, dass ich existiere, wenn ich nicht existiere.

„Sum existo“ ist also die einzige Überzeugung, die sich nicht mit den drei Zweifelsgründen Descartes widerlegen lässt.