Hausarbeit zum Thema Sex and the City

Was macht den großen Erfolg der US-amerikanischen Fernsehserie „Sex and the City“ aus?

Inhalt:

  • 1. Einleitung
  • 2. Wovon handelt „Sex and the City“?
  • 3. Warum ist „Sex and the City“ so erfolgreich?
  • 4. Parallelen zur Gesellschaft
  • 5. Was stimmt nicht mit der heutigen Gesellschaft überein?
  • 6. Fazit

1. Einleitung

Die US-Amerikanische Serie „Sex and the City“ ist wohl eine der erfolgreichsten Fernsehserien aller Zeiten. Am 6. Juni 1998 wurde sie zum ersten mal in den USA ausgestrahlt, auf dem Sender HBO, in etwa vergleichbar mit dem deutschen „Premiere“. Die deutschsprachige Erstausstrahlung erfolgte am 18. September 2001 auf Pro Sieben. „Sex and the City“ wurde von 1998 bis 2004 produziert und gilt offiziell als Comedy-Serie, obwohl sie sich doch stark von dem unterscheidet, was man im allgemein als „Comedy“ einordnet. Zum Beispiel gibt es keine Lacher aus dem Off, wie oft bei anderen Comedy-Serien.


Die sechs Staffeln enthalten 94 Folgen, jede Folge ist knapp 30 Minuten lang. Die Hauptcharaktere sind die vier New Yorker Freundinnen Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker), Samantha Jones (Kim Cattrall), Charlotte York (Kirstin Davis) und Miranda Hobbes (Cynthia Nixon). Die Vier sind zwischen 30 und 40 Jahre alt und Singles. Während der sechs Jahre, in denen die Serie spielt, haben alle vier immer wieder Beziehungen, One-Night-Stands und Affären. In der letzten Folge findet allerdings jede der Freundinnen ihre Glück in einer monogamen Beziehung. Es klingt zunächst abwertend, wenn man sagt, dass damit die Handlung der 94 Folgen im Grunde schon erzählt ist. Doch wenn man die Serie kennt, weiß man, dass keine Folge langweilig ist. Obwohl es sich eigentlich immer um die gleichen Themen, nämlich vor allem Männer, dreht ist die Idee der Serie so lustig umgesetzt, gespickt mit witzigen Dialogen und amüsanten Szenen, dass „Sex and the City“ für viele Frauen Kult ist.
In dieser Hausarbeit soll nun geklärt werden, warum „Sex and the City“ so erfolgreich ist. Was macht die Serie aus? Und warum kommt sie fast überall auf der Welt gut an? Hätte „Sex and the City“ auch schon früher solch ein Erfolg werden können? Oder trifft es genau den Nerv des endenden Jahrtausend?
Im zweiten Kapitel soll geklärt werden, wovon die Serien genau handelt. Als Beispiel werden die beiden Folgen „Junge Mädchen, Junge, Mädchen“ und „Freakshow“ herangezogen werden, an Hand derer der Zuschauer einen guten Einblick in die Serie gewinnen kann.
Das dritte Kapitel soll zeigen, warum „Sex and the City“ so erfolgreich in unserer heutigen Gesellschaft ist. Das vierte Kapitel zeigt Parallelen zur Gesellschaft auf. In welchen Punkten stimmt die Serie mit der Realität überein? Das fünfte Kapitel soll klären, was bei „Sex and the City“ nicht mit der Gesellschaft übereinstimmt. Was ist vollkommen übertrieben dargestellt?
Zum Schluss wird im sechsten Kaptitel noch ein kurzes Fazit gezogen werden.

2. Wovon handelt „Sex and the City“?

Die Sexkolumnistin Carrie Bradshaw ist die Hauptdarstellerin. Vor allem in der ersten Staffel nimmt sie den größten Raum in der Serie ein. Charlotte, Miranda und Samantha spielen zunächst fast nur Nebenrollen. Doch später werden auch die Drei immer wichtiger und schon nach einigen Folgen haben sich nahezu vier Hauptrollen entwickelt.
„Als Sexkolumnistin für eine wöchentlich erscheinende New Yorker Zeitung setzt Carrie Bradshaw sich mit dem Zynismus der New Yorker Datingszene auseinander. Sie und auch ihre drei Freundinnen Miranda, Charlotte und Samantha sind in ihren Dreißigern und Single, wobei alle vier Frauen eine völlig unterschiedliche Einstellung dazu haben. Während Carrie recht unverkrampft ihre große Liebe sucht, ist die brave Galeristin Charlotte versessen darauf, zu heiraten, die zynische Anwältin Miranda empfindet Männer eher als Nebensache und die selbstbewusste PR-Frau Samantha hat lieber Sex als Beziehungen.“1
Diese „unterschiedliche Einstellung“ gleicht sich allerdings im Laufe der sechs Staffeln immer mehr an. Am Ende der letzten Staffel leben alle vier Frauen in monogamen Beziehungen. Zuvor müssen sich die vier Freundinnen durch Höhen und Tiefen des Datens kämpfen.
Jede von ihnen schläft in den 94 Folgen mit zahlreichen Männern. Zählen kann man die Affären kaum, aber wie Miranda sagt: „Wer hätte gedacht, dass auf einer so kleinen Insel wirklich Platz genug für alle unsere abgelegten Freunde ist?“ Um zahlen zu nennen: Während der sechs Jahre, in denen „Sex and the City“ spielt, hat Miranda in etwa mit 30 Männern geschlafen, Samantha mit fast doppelt so vielen.
Und das ist eben genau das Hauptthema der Serie: Männer. Und Frauen, die über Männer reden. In so gut wie jeder Folge sitzen die vier Freundinnen gemeinsam in einem Coffeeshop und reden. Dabei reden sie zwar auch über Mode und was sie gerade sonst noch so bewegt, aber vor allem wird das Thema Männer behandelt. Was die Serie ausmacht, ist dass keine der vier Frauen dabei eine Blatt vor den Mund nimmt. Höchstens Charlotte hält sich bei Wörtern wie „Ficken“ ein wenig zurück. Die Affären der vergangen Tage werden detailgenau mit den Freundinnen diskutiert. Dabei wird nichts ausgelassen, keine Sexstellung, keine Penisgröße und keine sexuellen Vorlieben. Dass Männer dabei eher schlecht „wegkommen“ wird in Internetforen zu „Sex and the City“ oft kritisiert. So schreibt zum Beispiel „Alf“ in einem Forum im Bezug auf den Kommentar einer anderen Teilnehmerin, die schreibt, dass sich ihr Selbstbild durch die Serie deutlich „ver-feminiert“ habe: „Was mal wieder zeigt, wie männerfeindlich und feministisch die Serie ist.“2
Es ist wahr, „Sex and the City“ ist eine Serie, die für Frauen gemacht ist. Zwar ist sie nicht unbedingt männerfeindlich, aber die Frauen stehen ganz klar im Vordergrund. Männer werden schon dann und wann als „Freaks“ abgestempelt. Dies zeigt auch deutlich die Folge „Freakshow“. Schon der Titel der Folge macht deutlich, worum es geht. In dieser Folge fragt sich Carrie „Sind alle Männer Freaks?“ „Carrie geht mit einer Reihe Freaks aus, bevor sie Ben kennen lernt, einen offenbar normalen Kerl. Sie vermasselt aber alles, als er sie dabei erwischt, wie sie nach seiner `Kiste der Abartigkeiten` sucht.“3
Diese „Freaks“ mit denen Carrie ausgeht, scheinen zunächst, ebenso wie Ben, ganz normale Männer zu sein. Dann stellt sich heraus, dass einer ohne Grund billige Bücher von einem Staßenstand stiehlt. Ein anderer sucht Streit mit Fremden, wann immer sich die Gelegenheit ergibt. Nicht zu vergessen ist auch „Mr. Muschi“, mit dem Charlotte in dieser Folge ausgeht. Wie sein Spitzname schon sagt, ist er besonders geschickt darin, seine Partnerinnen oral zu befriedigen. An Anfang ist Charlotte begeistern von „Mr. Muschi“, doch als sie ihn nach einer Weile „richtig“ kennen lernen will und sich herausstellt, dass das nicht möglich ist, wird auch er als „Freak“ abgestempelt. Natürlich werden all diese Situationen auf für den Zuschauer witzige Weise dargestellt, ganz wie es für „Sex and the City“ typisch ist. Doch es steckt auch Wahrheit dahinter. Diese Wahrheit ist allerdings nicht, dass alle Männer Freaks sind, sondern dass jeder, egal ob Mann oder Frau, etwas an sich hat, dass ihn „unnormal“ macht. Dies wiederum bedeutet aber schlicht, dass dies wieder „normal“ ist. Denn wenn niemand normal ist, sind schließlich alle normal. Aus eigener Erfahrung kann wohl jeder Zuschauer sagen, dass niemand perfekt ist. Jeder Partner mit dem man mal zusammen war, hatte etwas, was gestört hat. Einfach niemand kann sich davon freisprechen, dass auch an ihm selbst etwas ist, dass andere als „freakig“ bezeichnen könnten. Das Stehlen von Second-Hand-Büchern, oder dass sich jemand auf orale Befriedigung spezialisiert hat, sind Beispiele. Zugegeben vielleicht ein wenig extreme Beispiele. Doch nur durch die Übertreibung wird die Botschaft deutlich. Nur dadurch, dass überspitzt dargestellt wird, wie anspruchsvoll die Gesellschaft im Bezug auf die Partnerwahl geworden ist, erkennt man es auch. Im „echten“ Leben, also nicht in einer Serie, sind es wahrscheinlich andere Dinge, die in einer Beziehung stören. Einen Mann stört möglicherweise die Schuhsucht seiner Partnerin, oder sie ist genervt davon, dass er jeden Samstag ins Fußballstadion geht. Das sind alltägliche Dinge. Es ist klar, dass man mit solch natürlichen Dingen keine Einschaltquoten erzielen kann. Die Zuschauer wollen etwas sehen, mit dem sie sich identifizieren können. Aber sie wollen es überspitzt dargestellt haben, nur so können sie darüber lachen und werden unterhalten.
Besonders wichtig in der Folge „Freakshow“ ist, dass am Ende Carrie der „Freak“ ist. Sie durchsucht wild Bens ganze Wohnung, um etwas an ihm zu finden, das nicht stimmt. Carrie, die wir vorher für so „normal“ gehalten haben, ist plötzlich „unnormal“, ein „Freak“. Die Kamera zeigt ruckartig, wie sie nervös Bens ganze Wohnung durchschnüffelt, Schubladen aufreißt und schließlich ungestüm versucht eine Kiste zu öffnen, in der, wie sie meint, „Abartigkeiten“ verborgen sein müssen. Selbst wenn Ben nicht frühezeitig zurück in seine Wohnung kommen würde, und es sich nicht herausstellen würde, dass er Pfadfinderabzeichen sammelt, würde Carrie der „Freak“ sein. So wird sie von Ben bloßgestellt, so erkennt er, dass sie nicht „normal“ ist. Doch selbst wenn er es nicht herausfinden würde, wäre es eine Tatsache. Jeder hat seine kleinen „Macken“, jeder hat irgend etwas, was ihn speziell macht. Und da jeder so ist, sollte das eigentlich kein Problem sein, das eine Beziehung zerstört. Jedoch haben die Menschen in der heutigen Zeit so viele Auswahlmöglichkeiten, dass es schwer ist, sich zu entscheiden. Wir alle, und vor allem seit einigen Jahrzehnten auch Frauen, können uns fast jeden Beruf aussuchen, den wir wollen. Wir können Kleider tragen, die uns gefallen, entscheiden wo wir leben wollen und so weiter. Die vielen Freiheiten können uns jedoch auch unfrei machen. So wie Carrie. Sie und auch ihre drei Freundinnen „haben alles“. In einer anderen Folge schreit Samantha aus dem Fenster ihrer neuen Wohnung „Siehst du uns New York? Wir haben alles!“ Sie haben im Grunde alles, was sie wollen. Zumindest alles Materielle. Doch bei so vielen Wahlmöglichkeiten will man nichts verpassen, man will in jeder Beziehung das Beste für sich herausholen. Den besten Job, die schönsten Designerkleidung, die beste Wohnung und vor allem den perfekten Mann. Um zu zeigen, dass es den nicht gibt, braucht „Sex and the City“ 94 Folgen. Am Ende der sechsten Staffel ist zwar jede der vier Freundinnen mit einem Mann zusammen und zum Teil sogar verheiratet, doch auch diese Männer sind nicht perfekt. Sie sind jeweils genau der Richtige für die Frauen, doch auch sie haben Schwächen. Jedoch sind Carrie und die anderen auf anderen Gebieten ihres Lebens so verwöhnt und haben solch ein Glück, dass es ihnen schwer fällt, bei Männern Abstriche zu machen.
In der Folge „Junge, Mädchen, Junge, Mädchen“ geht es vor allem darum, dass die Welt in der Carrie und ihrer Freundinnen leben, sexuell vollkommen offen ist. Jeder ist bereit zu experimentieren. Die Folge handelt von der Grenzüberschreitung der Geschlechter. Bisexualität ist nichts „unnormales“ mehr. Ein Mann kann wie eine Frau sein und wenn eine Frau sich für einen Künstler als Mann verkleidet und fotografieren lässt, kann man sie kaum mehr als Frau erkennen. Die Grenzen verwischen. Für „Sex and the City“ ist es typisch, ja es macht die Serie sogar aus, dass Frauen mindestens genau so erfolgreich und selbstständig sein können, wie Männer. Sowohl Carrie, als auch Charlotte, Miranda und Samantha haben Jobs, die ihnen Spaß machen, in denen sie erfolgreich sind und die somit eine Erfüllung für sie sind. Ähnlich wie auch in der Folge „Freakshow“ gezeigt wird, haben die Frauen in New York „alles“. In „Junge, Mädchen, Junge, Mädchen“ schreibt Carrie in ihrer Kolumne: „Wenn wir das Beste vom anderen Geschlecht nehmen und uns aneignen können, ist das andere Geschlecht dann ein Anachronismus?“4
Das Geschlecht spielt keine Rolle mehr. „Es kommt auf den Menschen an“, sagt auch Carries bisexueller Kurzzeitfreund in dieser Folge. Carrie küsst in „Junge, Mädchen, Junge, Mädchen“ eine andere Frau, gespielt von Alanis Morisette, obwohl sie selbst ganz klar heterosexuell ist. Doch auf der Party, zu der sie ihr neuer Freund mitnimmt hatte, ganz unabhängig vom Geschlecht, fast jeder schon mal eine Beziehung mit jedem. Diese Party ist sozusagen der Höhepunkt der sexuellen Freiheiten oder Orientierungslosigkeit, je nach dem wie man es sieht. Carrie wird vom Moment mitgerissen. Beim Spiel „Flaschendrehen“ kann sie sich kaum dagegen wehren, die Frau zu küssen. Sie versucht allerdings auch nicht sehr, sich dagegen zu wehren, merkt dann aber, dass es nichts für sie ist und verlässt die Feier. Carrie akzeptiert Bisexualität jedoch auch nicht wirklich. „Ich weiß nicht einmal, ob Bisexualität existiert. Ich halte das nur für eine Raststätte auf dem Weg nach Gaytown“, sagt sie beim Gespräch mit ihren Freundinnen im Coffee Shop. Zustimmend und zynisch wie immer fügt Miranda hinzu: „Liegt das nicht bei Rickymartinville?“ Diese Szene ist typisch für die Serie. Locker und witzig werden alle Themen, alle sexuellen Vorlieben behandelt. Nichts kann die vier Freundinnen mehr schockieren. Obwohl Samantha sagt „Ich bin Pro-Sexuelle, ich Pro-biere alles einmal aus“, machen sie doch nicht alles mit. Sie haben alles schon einmal gesehen und erlebt, aber sie wissen, dass nicht jede sexuelle Spielart etwas für sie ist. Ob es der Mann ist, der sich selbst im Schrank ankettet oder der schlechte Küsser, der Charlotte das ganze Gesicht abschleckt, für die vier Frauen ist nichts mehr neu, denn Freaks gibt es genug, vor allem in New York.
Sexuelle Schwächen der Männer werden in „Sex and the City“ also zu Genüge dargestellt. Aber es gibt nur sehr wenige Szenen in denen Carrie und ihrer Freundinnen auf solch eine Art bloßgestellt werden. Die Szene in „Freakshow“ in der Carrie ausrastet und Bens Wohnung durchwühlt ist da schon das Äußerste. Eigentlich ist es da kein Wunder, dass manche männliche Zuschauer die Serie als „männerfeindlich“ einstufen. Die Freundinnen könnten ohne Männer nicht leben, sie reden ständig über das andere Geschlecht. Miranda ist deshalb sogar einmal so empört, dass sie den Coffee Shop verlässt, weil sie meint, dass es keine anderen Themen mehr für ihre Freundinnen gibt. Natürlich ist die Serie so konzipiert, dass sie Frauen als Zuschauer anspricht. Schon allein, weil es oft um Mode und Modedesigner geht, was Männer in der Regel nicht so stark interessiert. Aber dennoch ist es wahrscheinlich ein Fehler der Serie, dass Carrie, Charlotte, Miranda und Samantha nahezu als perfekt dargestellt werden, ganz im Gegensatz zu den Männern, die sie daten. Obwohl die Folge „Freakshow“ oberflächlich betrachtet Männer als „Freaks“ darstellt, mit Zirkusmusik und allem drum und dran, ist dies doch fast die einzige Folge, in der auch ein wenig die Frauen kritisiert werden. Die vier Freundinnen haben fast in jeder Folge jeweils einen neuen Mann, und so gut wie jedes mal ist liegt es an dem Mann, dass die Frau die Beziehung beendet. Schon in der ersten Folge, die noch ein wenig anders aufgebaut ist, als alle späteren Folgen, wird von einer angeblichen „Mittdreißiger Machtverschiebung“ geredet: „Tolle Frauen und keine tollen Männer“. Dass viele Frauen sich eher binden wollen als Männer und dass Männer meist eher Probleme damit haben, sich festzulegen und treu zu sein, wird in vielen Filmen und Serien thematisiert und ist nichts Neues. Wahrscheinlich stimmt das auch meist und hat sich vielleicht sogar evolutionsmäßig so entwickelt. Doch kann man das nicht pauschalisieren. Ganz sicher ist nicht jeder Mann so und ganz sicher sind Carrie und ihre Freundinnen viel zu anspruchsvoll.
Wie bereits erwähnt spielt nicht nur das Thema Männer in „Sex and the City“ eine große Rolle, sondern auch die Mode. Besonders die Hauptdarstellerin Carrie ist der Mode vollkommen verfallen. „Du lebst für die Mode“ sagt Charlotte einmal zu ihr. In einer anderen Folge rechnet Carrie sich aus, dass sie insgesamt ca. 40.000 Dollar für Schuhe ausgegeben hat. Die Mode ist im Grunde eine Ersatzbefriedigung für sie. Auf neue Kleidung kann sie sich verlassen. Designerkleidung und Schuhe lässt sie nie im Stich, ganz im Gegensatz zu Mr. Big, ihrer großen Liebe, mit dem sie eine „On-Off-Beziehung“ hat und den sie im ersten „Sex and the City“-Film, auch heiratet. Die Serie ist für Carries ungewöhnliche und modische Outfits bekannt. Immer wieder wird in Hintergrundberichten oder Promisendungen im Fernsehen, wie „Exclusiv“ oder „Taff“ über ihren Kleidungsstil berichtet. Auch Modezeitschriften wie „In Style“ oder „Glamour“ berichten schon Monate vorher darüber, was Sarah Jessica Parker in der Serie oder im Film tragen wird. Dass ihre Outfits oft in der Realität eher untragbar sind und für die „Durchschnittsfrau“ finanziell unerreichbar sind, spielt keine Rolle. Auch würden Carries Kleider keiner Frau gut stehen, die nicht eine Kleidergröße von höchstens 36 trägt. Im Gegenteil, es spielt nicht nur keine Rolle, sondern das macht den Reiz aus. So wie auch Frauen mit Kleidergröße 40 und aufwärts Modezeitschriften kaufen, lieben sie diese Serie. Gerade die Unerreichbarkeit dieser Ideale macht den Glamour aus und zeigt eine Welt, in der die Frauen meinen leben zu wollen. In diesem Punkt unterscheidet sich „Sex and the City“ nicht von anderen Serien wie „Beverly Hills 90210“ oder „Desperate Housewives“. Dem Rezipienten wird eine perfekte Welt vorgegaukelt, in der er leben will und in die er sich beim Zuschauen fallen lassen kann. „Sex and the City“ zeigt Träume, in wie weit diese Träume zu verwirklichen sind oder wie weit wir, also die heutige Gesellschaft, sich daran angenähert hat, soll nun geklärt werden.

3. Warum ist „Sex and the City“ so erfolgreich?

Ein Konzept wie bei „Sex and the City“ hat es in dieser Form im Grunde noch nie gegeben. Es gab Filme, die das Thema „Frauen und Sex“ behandeln, doch normalerweise sind es, sowohl in Filmen, als auch vor allem in Serien die Männer, die über Sex reden. Dem Zuschauer wurde vorgegaukelt, dass Männer ständig Sex wollen und Frauen eben nicht. Dass das aber in der Realität ganz anders ist, und Frauen durchaus ein reges Interesse an dem Thema haben, wird in „Sex and the City“ erstmals in der Öffentlichkeit gezeigt. Alexander Trost schreibt darüber: „In „Sex and the City“ stehen moderne Frauen und ihre Sicht im Zentrum. (…) Hier haben wir es mit einer positiv-emanzipiert weiblichen Sicht in Bezug auf bestimmte Themen zu tun, gegen die die vier Protagonistinnen auf ihre eigene Art in jeder Folge anspielen.“6 Und das ist es, was die Serie ausmacht. Frauen die über Sex reden und das auf eine positive Art und Weise. Oft hat der Rezipient beim Thema Frauen und Sex verstaubte Feministinnen im Kopf, die wie Alice Schwarzer, sozusagen „gegen“ Männer sind und stets die Frau als Unterdrückte sehen. Es ist nun mal so, dass Frauen, die in den letzten Jahrzehnten in der Öffentlichkeit über Sex geredet haben, fast immer etwas Negatives an sich hatten. Entweder war ihre Meinung zum Sex sofort negativ, oder wenn sie vom Genuss am Sex redeten, wurden sie oft von dem Zuschauer als „Schlampen“ verdammt. In der Köpfen der Menschen hielt sich lange das Vorurteil, dass Männer, die viele Partnerinnen haben „cool“ sind. Ein einfaches Beispiel ist James Bond. In jedem Film hat er mehrere Partnerinnen und dennoch ist er ein Vorbild nahezu aller Männer. Wäre er eine Frau, wäre er eine „Schlampe“. In der Verfilmung des Computerspieles „Lara Croft“, die ein wenig mit James Bond zu vergleichen ist, geht Lara zwar auch einigermaßen unverkrampft mit Sex um, aber das ist ungewöhnlich und macht den Erfolg der zwei „Tomb Raider“ Filme aus.


So ist es auch bei „Sex and the City“. Es ist ungewöhnlich, neu und wird vom (weiblichen) Rezipienten äußert positiv bewertet, dass Frauen locker und leicht mit Sex umgehen, ohne als „Schlampen“ abgestempelt zu werden. Die Frau wird in „Sex and the City“ keinesfalls unterdrückt, selbst wenn und gerade weil sie viel Sex hat. Ganz im Gegensatz zu Jahrzehnten der Fernsehgeschichte, in der (ganz wie bei James Bond) Frauen die Sexobjekte waren und Männer die „Helden“, haben die Frauen hier das Ruder an sich gerissen. In unendlich vielen Filmen und auch in Serien waren Frauen entweder intelligent oder sexy. „Sex and the City“ zeigt, dass sie beides sein können. Frauen wie die Feministin Alice Schwarzer haben das Image klug zu sein, aber ganz und gar nicht sexy. Sie kämpft für Gleichberechtigung und hat sicherlich viel für das weibliche Geschlecht getan, doch viel auch verdorben. Wenn Schwarzer mit Verona Pooth in einer Talkshow sitzt, sind die Rollen klar verteilt: Schwarzer als kluge Feministin, die erfolgreich ist, mit der aber kein Mann zusammen sein will. Und Pooth als „sexy Dummchen“, mit der jeder Mann „ins Bett gehen“ würde, aber vermutlich kein Gespräch führen kann. Gerade die vielen witzigen Dialoge in „Sex and the City“, der berufliche Erfolg der vier Freundinnen und ihr gutes Aussehen macht klar, dass das nicht so sein muss.
Alexander Trost schreibt auch, dass die Serien so erfolgreich ist weil es dort „eine intelligente kontrastierende Freundinnengruppe als Familienersatz“7 gibt. Es stimmt. Die Familien der vier Protagonistinnen kommen in keiner der sechs Staffeln vor. Nur in einer Folge stirbt Mirandas Mutter, jedoch wird auch dann der Familie kaum Beachtung geschenkt. Manchmal treten die Eltern der Männer auf. Carrie lernt zum Beispiel Aidans Eltern kennen und darf nicht Mr. Bigs Mutter treffen. Steves Mutter wohnt am Ende sogar bei ihm und Miranda und Charlotte hat oft Auseinandersetzungen mit Treys Mutter Bunny. Doch die Familien der vier Freundinnen werden vollkommen ausgeklammert. Und das hat seinen Grund, nämlich eben den, dass die vier füreinander eine Art Familie geworden sind. Bis auf die Blutsverwandtschaft hat die Beziehung der Freundinnen alles, was eine Familie ausmacht. Sie sind wichtig für einander, wichtiger als jede Beziehung zu einem Mann. Sie helfen einander und teilen ihre Sorgen und Probleme. Sie haben stets viel Spaß zusammen, doch können auch streiten, um sich danach wieder zu versöhnen. Im Grunde haben die vier zusammen eine perfekte Familie, sogar besser als die meisten „echten“ Familien. Schließlich haben sie sich gegenseitig ausgesucht. Es ist klar, in eine Familie wird man hineingeboren, hat keine Wahlmöglichkeiten. Doch Freundinnen kann man sich aussuchen. Dennoch sind Carrie, Miranda, Charlotte und Samantha eine Art Familie für einander. Sie sind alle seit Jahren befreundet und haben viele Höhen und Tiefen des Alltags miteinander durchgestanden. Trost meint dazu:
„Die Serie setzt auf einen Sitcom-Trend, der sich schon seit den 1990ern etabliert hat: die Familienstruktur wurde durch eine familienähnliche Einheit in der Form von Freunden (siehe dazu auch `Friends`) ersetzt. Dies bietet die Möglichkeit grundverschiedenen Charaktere zur Kontrastierung zusammenzubringen, die so in einer engen Familienstruktur wohl nie zusammengeblieben wären.“8
Damit hat er vollkommen Recht. Diese „andere“ Familie macht einen großen Teil des Erfolges von „Sex and the City“ aus. In der heutigen Zeit gibt es quasi unendlich viele junge Frauen, die ihren kleinen Heimatort und die Wärme einer Familie verlassen, um nach der Schule in größeren Städten ihr Glück zu versuchen. Ob sie nun ein Studium aufnehmen oder gleich in größeren Firmen arbeiten, spielt keine Rolle. Diese jungen Frauen (es gibt genau so viele junge Männer) müssen lernen, sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden. Sie sind von ihren Familien getrennt, haben selten die Gelegenheit diese zu besuchen, und fühlen sich vielleicht in der Anfangszeit allein. Doch ganz wie bei „Sex and the City“ finden die meisten jungen Frauen schnell Gleichgesinnte, eine „Ersatzfamilie“, neue Freunde. Die „echten“ Familien spielen ab dann immer weniger eine Rolle. Wie bereits erwähnt, werden die Eltern der vier Protagonistinnen nie gezeigt. Alexander Trost schreibt weiter:
„Es war aber auch die richtige Sitcom zur richtigen Zeit: ein Hauch provokant, aber nicht zu provokant und eine notwendige Frischzellenkur für ein über 50jähriges Format. Die Zielgruppe richtet sich primär auf Frauen und die Serie trifft diese Zielgruppe wahrscheinlich in einem beeindruckenden Maße. Denn es ist wohl für jede Frau etwas `dabei´“.9
Obwohl die „Sex and the City“ wahrscheinlich provokanter ist als Trost meint, hat er mit der Aussage, dass für jeder Frau etwas „dabei“ sei, durchaus Recht. Denn mögen die vier Freundinnen für den Zuschauer, der mit der Serie nicht so vertraut ist, nahezu identisch sein, unterscheiden sie sich doch in vielen Punkten. Während Carrie eine Mittelposition einnimmt und sich die meisten weiblichen Rezipienten mit ihr wohl am besten identifizieren können, sind Charlotte und Samantha fast gegenteilig. Charlotte ist klassisch und konventionell. Sie will unbedingt heiraten, wohnt in einer traditionell eingerichteten, großen Wohnung in einem ebenso traditionellen Bezirk New Yorks. Sie sträubt sich mit einem Mann Analsex zu haben und eines ihrer Lebensziele, wie sie selbst sagt, ist es „schöne Bettwäsche“ zu besitzen. Samantha hingegen wohnt neben einem Straßenstrich, (das heißt nicht, dass sie weniger Miete zahlt, als Charlotte!) ihr Schlafzimmer ist mit rotem Samt bestückt, sie besitzt zahlreiche Sexspielzeuge und hat im Bett alles schon einmal ausprobiert.
Diese Gegensätze zeigen, dass sich eine moderne Frau nicht festlegen muss. Sicherlich ist kaum eine Zuschauerin genau wie Samantha oder genau wie Charlotte. Aber viele Rezipientinnen haben Frauen im Freundeskreis, die auf den ersten Eindruck „genau“ wie eine der beiden erscheinen. Samantha und Charlotte erfüllen, noch viel stärker als Miranda und vor allem als Carrie, Klischees. Die sexgierige „Hure“ Samantha auf der einen Seite und die traditionelle „Madonna“ Charlotte auf der anderen Seite. Trost hat also Recht, wenn er schreibt, dass für jede Zuschauerin etwas „dabei“ ist. Wenn sich auch niemand selbst gerne als Klischee sieht, steckt doch wahrscheinlich in so gut wie allen Frauen ein Teil Samantha und ein Teil Charlotte, mal mehr zur einen, mal mehr zu anderen Seite.
Wie der Titel der Serie „Sex and the City“ schon verspricht, kommt das Thema „Sex“ natürlich nicht zu kurz. Zwar geht es teilweise auch um „echte“ Liebe, doch immer wieder unterhalten sich die vier Protagonistinnen über mehr oder weniger oberflächlichen Sex.
„Dass das Thema `Sex` erst jetzt so explizit zum Sitcom-Thema wird, haben wir dem amerikanischen Pay-TV Sender HBO zu verdanken. Ein solches Konzept wäre nicht für die klassischen amerikanischen Networks denkbar gewesen. Dennoch liegt das Thema eigentlich schon immer auf der Hand. Die einfachsten Witze sind mit einem Bezug auf Sex zu schaffen. Jeder macht es, keiner redet darüber, einige erkennen sich darin, andere verlachen es aus Angst oder aus tatsächlicher `schockierter` Distanz. Der rote Kopf und ein peinliches Lachen sind meist garantiert. Es ist ein dankbares Thema für eine Sitcom, die aufgeklärte Mit-Dreißiger (oder jünger), also ihre `Zielgruppe` ansprechen will.“10,
schreibt Trost. Ob die Zuschauer wirklich einen „roten Kopf“ bei „Sex and the City“ bekommen, ist allerdings fraglich. Viele Menschen die heutzutage nicht älter als 30 sind, haben ähnlich wie die vier Freundinnen schon viel erlebt, gerade wenn sie aus einer Großstadt wie New York kommen.
Vielen Fernsehreportagen nach, wird immer offener mit dem Thema Sex umgegangen, gerade bei Jugendlichen. Obwohl Jugendliche ihre „Unschuld“ heute kaum früher verlieren, als vor einigen Jahrzehnten, ist es doch so, dass das Thema Sex viel präsenter ist als früher. Das mag zum großen Teil am Internet liegen. Alles ist für jeden zugänglich, und somit auch alltäglicher geworden. Kaum ein Jugendlicher würde heute noch rot werden, wenn er im Fernsehen „Sex and the City“ sieht. Aber gerade das macht es aus. Gerade deshalb können sich so viele junge Frauen in Carrie, Charlotte, Miranda und Samantha wiedererkennen. Und es ist schließlich fast immer so, dass eine Serie, ein Film oder ein Buch als „gut“ empfunden wird oder zumindest als unterhaltsam, wenn sich der Rezipient mit den Charakteren identifiziere kann. Sind ihm die Handelnden vollkommen fremd, unsympathisch oder kann er nicht nachvollziehen, was sie tun, wird das Buch oder eben die Serien uninteressant für ihn. Trost schreibt, dass „Sex and the City“ nicht in „klassischen amerikanischen Networks denkbar“ gewesen wäre. In Deutschland jedenfalls wird die Serie nicht auf einem Pay-TV-Sender gezeigt, sie lief im normalen Abendprogramm auf Pro Sieben. Jugendschützer sollen sich sogar darüber beschwert haben, dass die Serie im Vorabendprogramm lief. Bei einer Diskussion in einem Internet-Forum schreibt Buffyfighter dazu: „Ich finde Sex and the City auch nicht gerade geeignet für den Vorabend. Wobei ich mir das bei einigen Filmen in letzter Zeit auch gedacht hab die es Sonntag Nachmittag gespielt hat … aber mir soll es recht sein…“11 Diese Aussage ist typisch für die Rezipienten, die sich im Internet über die Serie austauschen. Die meisten meinen, dass „Sex and the City“ nicht für den Vorabend geeignet ist, aber es ist ihnen im Grunde egal. Dies ist eine verbreitete Meinung zum Thema Sex in den Medien. Viele Menschen, gerade auch in Foren, denken dass Serien oder Filme wie „Sex and the City“ nicht für Kinder geeignet sind, aber sie haben nicht vor etwas dagegen zu unternehmen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Comedyserien bleibt bei „Sex and the City“ nicht ständig die Ausgangssituation in jeder Folge gleich.
„Es wird also nicht mehr am Ende einer Folge unbedingt an den Urzustand des Pilotfolgendendes angeknüpft, sondern die Serie kann sich behutsam weiterentwickeln. Dadurch gewinnen die Charaktere mehr tragische Tiefe. Dass dies gefährlich ist, ist jedem klar, der die Charakteren-Grundregel von Sitcom-„Character Comedies“ kennt. Aber es kann funktionieren, wie `Sex and the City` beweist.“12,
meint Alexander Trost. Das ist es, was die Serien so von anderen dieser Art unterscheidet. Auch wenn „Sex and the City“ offiziell als Sitcom gilt, hat der Zuschauer doch den Eindruck, dass vieles nicht so ist, wie bei „Friends“, „King of Queens“ oder all den anderen Sitcoms, die er kennt. „Sex and the City“ hat den Witz einer Sitcom, aber die Ernsthaftigkeit einer „normalen“ Serie.
Wie bereits erwähnt, ist auch das Thema „Mode“ wichtig für „Sex and the City“. Bei kaum einer anderen Serie oder einem anderen Film wird so viel über Carries Outfits diskutiert, wie bei „Sex and the City“.
„Die mutigsten und unerhörtesten Aspekte der Show werden durch die Mode reflektiert. Das find eher bescheiden an, als neckische Ergänzung einer bereits starken Serie, und wuchs zu einer ungeheuer mächtigen Stilbibel an, die solche Trends setzt, dass ihr Einfluss überall bemerkbar ist. Accessoires, die in den Folgen zu sehen sind – ein Blume am Jackenaufschlag, Ray-Ban-Sonnenbrillen, Ketten mit Namensschildchen – , werden von der Popkultur schnelle geschluckt als ein Taxi vom Stadtverkehr“13,
heißt es im Fanbuch zur Serie. Inzwischen hat sich der Hype um die Kleidung der vier Frauen ein wenig gelegt, doch als „Sex and the City“ noch regelmäßig im Pro Sieben Abendprogramm lief, waren das Thema aus keiner Frauenzeitschrift wegzudenken.
Gerade für moderne Frauen in Großstädten spielt das Thema Mode eine riesige Rolle. Mode ist für Frauen ein Statussymbol. Was Männern ihre Rolex am Handgelenk oder der Ferrari in der Garage, ist für Frauen die Birkinbag von Hermes oder der klassische Burberry Trenchcoat. Das mag vielleicht auf den ersten Blick ein Klischee sein, doch es gibt nahezu unendlich viele erfolgreiche Filme und Serien, Frauenzeitschriften und Bücher, die sich mit diesem Thema beschäftigen, so dass doch etwas Wahrheit daran sein muss.
Gerade der ausgefallene Kleidungsstil Carries sorgt für Furore und wird oft kopiert. Schon vor „Sex and the City“ hatte eine „moderne“ Großstadtfrau mehrere Dutzend Paar Schuhe im Schrank. Doch seit „Sex and the City“ kann sie das rechtfertigen. Seit dem wissen andere Frauen, die vielleicht nicht so sind, und vor allem Männer, dass viele Frauen geradezu süchtig nach Schuhen sind. Jetzt kann die Schuhsüchtige sagen „Aber Carrie macht das auch, so sind wir Frauen nun mal.“ Durch diese Serie müssen Frauen, die zu viel Geld für Mode ausgeben, sich nicht mehr so stark dafür rechtfertigen, wie zuvor. Natürlich ist es nicht in Ordnung, mehr Geld für Kleidung auszugeben, als man hat. Aber seit Carrie Bradshaw das auch tut, haben viele Frauen sicherlich ein weniger schlechtes Gewissen deswegen.
„Obwohl die Zuschauer von den Outfits jeder Darstellerin wie besessen waren, ist Carries Stil am bezeichnendsten für die grenzgängigen Outfits der Show. Mit ihrer vielseitigen Mischung aus Designerlabels und Second-Hand ist Sarah Jessica Parker zur einflussreichsten Mode-Ikone des Fernsehens aufgestiegen“14,
steht im Fanbuch zur Serie. Carrie, beziehungsweise Sarah Jessica Parker ist wirklich eine Mode-Ikone geworden. Vielleicht ist dieser Hype noch am ehesten mit den 80er Jahre-Ikonen aus Dallas oder Denver Clan zu vergleichen, wenn überhaupt. Ansonsten hat es so etwas vermutlich noch nie gegeben. Frauen hatten schon immer Modevorbilder. Denken wir da nur an die 60er Jahre It-Girls Uschi Obermaier oder Edie Sedgwick. Auch Marie Antoinette galt ihrer Zeit als Vorbild in Sachen Mode. Doch dass eine Filmfigur, beziehungsweise eine Serienrolle so etwas auslöst, hat es bisher kaum gegeben. Teilweise wurde von den Zuschauern der Stil einer ganzen Serie nachgeahmt. Denken wir nur an das Lebensgefühl aus Miami Vice. Doch dass sich die Aufmerksamkeit praktisch nur auf eine Rolle konzentriert, ist äußerst selten, gerade bei einer Serie, die über mehrere Jahre läuft.

4. Parallelen zur Gesellschaft

„Sex and the City“ handelt von emanzipierten und modernen Frauen. Alle vier Protagonistinnen sind berufstätig und äußerst erfolgreich in dem, was sie tun. Sie sind unabhängig und nicht auf einen Mann angewiesen, der sie versorgt. Im Gegenteil, bis auf Charlotte haben sie eigentlich gar nicht vor, zu heiraten. Sie haben auch nicht unbedingt etwas dagegen (bis auf Samantha vielleicht), aber sie lassen es auf sich zu kommen, sind offen für die Zukunft und für das, was passieren wird.
Diese Einstellung ist typisch für modernen Frauen in Großstädten. Noch vor wenigen Jahrzehnten war dies anders. Noch in den 50ern und 60er Jahren hatte so gut wie jede Frau das Bedürfnis möglichst schnell zu heiraten. Es war ganz normal, dass eine Frau zwischen 20 und 30 Jahren heiratete, manch eine sogar noch eher. Doch die Einstellung hat sich gewandelt. Seit der Emanzipationsbewegung, die Ende der 1960er Jahre begann, hatten es gerade Frauen mit dem Heiraten nicht mehr eilig. Immer mehr Frauen ergriffen einen Beruf, gingen genau so regelmäßig arbeiten, wie Männer und auch ihr beruflicher Verdienst glich sich dem der Männer immer mehr an. Waren Frauen in den 50ern und 60ern meist noch eher als Sekretärinnen oder in ähnlichen, untergeordneten Positionen tätig, gab es schon in den 70er Jahren immer mehr Frauen in Führungspositionen. Gerade in den USA, und dort gerade in New York, war es schon ab den 80er Jahren nichts Ungewöhnliches mehr, wenn Frauen die gleichen Berufe ergriffen wie Männer. Ob an der Börse, im PR-Bereich, als Ärztinnen oder in der Politik, die Frauen waren auf dem Vormarsch. Besonders in den 80er Jahren wurde das Thema Frau und Beruf in vielen Filmen, Büchern und TV-Serien dokumentiert. Die moderne Businessfrau war geboren und wurde normal.
Genau das zeigt auch „Sex and the City“. Jedoch geht die Serie noch einen Schritt weiter. Frauen im Beruf sind längst nichts Ungewöhnliches mehr, aber es ist noch nicht ganz so gewöhnlich, dass Frauen Männer als „Freizeitbeschäftigung“ ansehen. Obwohl Frauen längst nicht mehr auf Männer als Versorger und Ernährer angewiesen sind, sind doch die meisten Frauen auf der Suche nach der „wahren Liebe“. Das ist bei Carrie und Charlotte nicht anders. Doch besonders die Figur der Samantha ist geradezu revolutionär. Sie sieht Männer als Bett- und Spielgefährten an, hat kein Interesse an einer langfristigen Beziehung. Sie liebt One-Night-Stands und wenn ein Mann fragt, was sie am nächsten Wochenende macht, verlässt sie genervt das Bett.
Als in einer Folge Mirandas Freund Steve zu ihr ziehen will, ist sie es, die Abstand nehmen will. Ungewöhnlicherweise und ganz im Gegensatz zu jedem Klischee ist Miranda nicht sofort begeistert und denkt, sie hat es geschafft, Steve entgültig an sich zu binden. Sie ist es, die nicht zu viel von sich preisgeben will und ihren Freiraum braucht. Das fällt auch Steve auf und er sagt zu ihr „Herr Gott Miranda, ich könnte das Gefühl kriegen, du bist der Mann“.
Ein weiterer wichtiger Punkt, durch den „Sex and the City“ so erfolgreich wird, ist die Tatsache, dass die vier Protagonistinnen Singles sind. So beruflich erfolgreich und unabhängig viele moderne Frauen auch sind, die meisten sehnen sich sehr wohl nach Liebe, einer Beziehung und einem Partner. Dieser Mann spielt nicht mehr die gleiche Rolle für die Frau, wie noch vor einigen Jahrzehnten, als er sie noch versorgen musste. Aber trotzdem will kaum eine Frau (außer, wie gesagt, zunächst Samantha) langfristig allein bleiben. Carrie und ihre Freundinnen sind ständig auf der Suche nach „dem Richtigen“. Charlotte sagt in einer Folge verzweifelt: „Ich habe seit 15 Jahren Dates – wo ist er?“ Diese kurze Aussage, die den Zuschauer in dieser Situation eher zum schmunzeln bringt, sagt viel aus. Charlotte ist ungefähr 35 Jahre alt. Sie hat also Verabredungen seit sie knapp 20 Jahr alt ist. Und trotz der zahlreichen Männer (der Zuschauer hat keine Möglichkeit nachzuvollziehen, wie viele es genau waren), mit denen sie sich inzwischen getroffen hat, hat sie noch nicht den einen gefunden, der sie glücklich macht.
Auch in der Realität gibt es immer mehr Singlehaushalte, und auch immer mehr alleinerziehende Elternteile. In Zeiten von Speed-Dating und Internet-Partnerbörsen scheint es nicht mehr so leicht zu sein, den perfekten Partner zu finden. Die Zeiten haben sich geändert. Vor allem die Frauen geben sich nicht mehr mit wenig zufrieden. Jetzt, da die Frauenbewegung erst wenige Jahrzehnte her ist, die Frauen gerade erst ihre Unabhängigkeit durchsetzen konnten, wollen sie sich ausleben und das bekommen, was die Männer, ihrer Meinung nach, schon immer hatten. Deshalb können sehr viele Zuschauerinnen genau nachvollziehen, was in Carrie und ihren Freundinnen vorgeht. Die modernen Frauen haben das Geld sich in Designerkleidung zu hüllen und, wie Carrie sagt „Ohne mit der Wimper zu zucken 400 Dollar für ein Paar Schuhe ausgeben“. Doch einen Mann, einen Partner der zu ihnen passt, können sie sich natürlich nicht erkaufen. Ganz im Gegensatz sogar. In einer Folge geht Miranda tatsächlich zum Speed-Dating um nicht allein auf Charlottes Hochzeit erscheinen zu müssen. Erst als sie sich dort als Stewardess ausgibt und verschweigt, dass sie eine erfolgreiche Anwältin ist, interessieren sich die Männer für sie. Miranda muss feststellen, dass beruflicher Erfolg Frauen bei Männern eher unbeliebt macht.


Carrie fragt sich in einer Folge „Muss man seine Ansprüche zurückschrauben und sich mit dem zufrieden geben, was man bekommen kann, um glücklich zu sein?“ Das ist wahrscheinlich genau das Problem, das viele Frauen und so eben auch die Rezpienten haben. Emanzipierte Frauen wollen sich nicht mehr „zufrieden geben“. Carrie, Charlotte, Miranda und sogar Samantha bekommen am Ende der Serie ihren „Mr. Right“. Dieses Ende macht den Zusschauerinnen Mut. Wenn diese Vier mit Ende 30 einen Mann fürs Leben finden, kann es jede Frau schaffen.
„Also sieht vielleicht doch nicht alles so aus wie man es sich auf der Highschool vorgestellt hatte. Aber es ist gut sich daran zu erinnern, dass Liebe möglich ist“, sagt Carrie. Und dies ist genau die Aussage der Serie: Es ist schwer den richtigen Mann zu finden, man muss viele „falsche“ Männer testen. Aber am Ende findet jede Frau den Mann, der genau zu ihr passt. „Sex and the City“ zeigt diesen langen, schweren Weg auf der Suche nach „Mr. Right“. Die Serie macht anderen Frauen Mut und lässt sie mit den vier Freundinnen mitfühlen, genau so wie jede Frau mit ihrer Singlefreundin mitfühlen würde. Carrie, Samantha, Miranda und Charlotte werden von den Rezipientinnen schon als eine Art „Freundinnen“ angesehen. Sie sind Leidensgenossinnen, die die Zuschauerinnen jede Woche treffen. Wenn „Sex and the City“ im Fernsehen läuft, beziehungsweise lief, hatten die Fans eine Verabredung mit Carrie und den Anderen. „Sex and the City“ ist ein Teil des Lebens der Fans geworden, ganz einfach weil sie sich in den vier Protagonistinnen so sehr wieder erkennen.
Eine weitere Parallele zur Realität ist, dass mit dem Thema Sex immer offener umgegangen wird. Heutzutage ist es keine Seltenheit mehr, wenn man in einem Café oder in einer Bar sitzt und am Nebentisch hört man einige Frauen über Sexpraktiken reden. Sowohl im „echten Leben“ als auch in anderen Fernsehsendungen wird immer häufiger offen über Sex gesprochen. Und das nicht nur im Abendprogramm. Es fängt schon am Vormittag an, wenn zum Beispiel bei „Punkt 9“ auf RTL über sexy Unterwäsche berichtet wird. Kaum zu überbieten sind in diesem Zusammenhang Talk Shows, die einige Stunden später beispielsweise auf SAT1 gezeigt werden. Bei „Britt“ reden Gäste ganz ungehemmt über Sex, und wenn auch Wörter wie „Ficken“ meist überpiept werden, kann man sie doch heraushören. „Sex sells“ ist das Motto, das im TV vorherrscht. So auch in der Werbung. Ganz egal ob Parfum, Butter oder Weingummi, es wird mit Sex beworben. „Sex and the City“ passt genau in unsere mit Sex übersättigte Gesellschaft. Ob die Serie ein Vorreiter war, oder sich nur der Nachfrage angepasst hat, ist schwer nachzuhalten. Fakt ist, dass sie den Nerv der Zeit trifft.

5. Was stimmt nicht mit der heutigen Gesellschaft überein?

„Mit durchschnittlich 16,2 Jahren verlieren deutsche Teenies einer Umfrage zufolge ihre Unschuld. Damit gehören sie international zu den Frühstartern und belegen Platz zwei nach den Isländern.
Die Mädchen und Jungen aus Island sind beim „Ersten Mal“ im Schnitt 15,7Jahre alt. Das ergab die am Montag veröffentlichte Sex-Studie des Kondomherstellers Durex, an der per Internet mehr als 350000 Menschen aus 41Ländern teilgenommen hatten. Im Durchschnitt dieser 41 Länder hatten Jugendliche mit 17,7 Jahren zum ersten Mal Sex. Später dran seien die Jugendlichen in Indien, Malaysia und Vietnam mit 19 bis 19,8 Jahren. Die Führung übernehmen die Deutschen in Sachen Aufklärung. Mit durchschnittlich 11,3 Jahren wissen deutsche Kinder der Untersuchung zufolge bereits über Sex Bescheid. Der Durchschnitt liege hingegen bei 13,1 Jahren. Mit der Verhütung nehmen es viele Menschen in allen Altersgruppen nicht so genau. Weltweit hatte jeder dritte Befragte laut der Studie bereits ungeschützten Sex mit einem neuen Partner, dessen sexuelle Vergangenheit ihm nicht bekannt war. Jeder vierte Jugendliche im Alter von 16 bis 20 Jahren und die Hälfte aller über 35-Jährigen hatten mindestens ein Mal ungeschützten Verkehr. In Deutschland habe jeder Vierte bereits ein Mal beim Sex mit einem neuen Partner auf ein Kondom verzichtet.“15
Das sind die Ergebnisse einer Studie aus dem Jahre 2004. In einer „Sex and the City“ Folge geht es darum, dass Kinder immer frühreifer werden. New Yorker Mädchen, für es die mit 13 Jahren normal ist, Jungs ihres Alters Oral zu befriedigen „damit sie einen mögen“, sind bei „Sex and the City“ keine Seltenheit. Doch auch wenn Carrie und ihre Freundinnen zunächst entsetzt von eben diesen 13-jährigen sind, waren sie selbst doch kaum anders. Jetzt mit Mitte 30 schlafen sie mit so vielen Männern, wie nie zuvor. Aber auch ihre „Unschuld“ haben sie relativ früh verloren.
Laut dieser Studie haben viele Jugendliche auch ungeschützten Sex. Das ist bei „Sex and the City“ allerdings nicht der Fall. Oft wird erwähnt, dass die vier ständig Kondome in ihren Handtaschen haben. In der Folge „Sex and another City“ zeigt Samantha den anderen drei Frauen den Inhalt ihrer Handtasche. Sie hat zahlreiche Kondome darin. Auch als Carrie in der ersten Folge Mr. Big kennen lernt, lässt sie dabei ihre Tasche fallen, in der sich einige Kondome befinden. „Sex and the City“ will vermutlich ein Vorbild sein. Gerade junge Zuschauerinnen sollen die Botschaft bekommen, dass sie sich beim Sex stets gegen eine Schwangerschaft und vor allem vor Geschlechtskrankheiten schützen sollen. Das ist natürlich besonders wichtig, wenn sie viele wechselnde Partner haben.
Wie bereits erwähnt, spielt Mode und vor allem Schuhe in der Serie eine sehr große Rolle. Der Designer Manolo Blahnik wurde erst durch „Sex and the City“ einem breiten Publikum bekannt. Ein Paar seiner Luxusschuhe kostet mindestens 300 bis 400 Dollar. Eine reiche Frau kann sich also, ebenso wie Carrie, hundert Paar Manolos leisten. Doch in der Realität sind eben nur wenige Frauen finanziell so gut gestellt. Carrie und ihre Freundinnen sind keine Millionärinnen. Trotzdem geben sie einen Großteil ihres Einkommens für Kleidung, Schuhe und Accessoires aus. Es ist keine Frage, dass die Vier recht viel Geld verdienen (von genauen Zahlen wird in der Serie so gut wie nicht gesprochen). Sie sind alle erfolgreiche Geschäftsfrauen. Dennoch ist es eher unwahrscheinlich, dass sie sich solch einen kostspieligen Lebensstil in der Realität leisten könnten. Samantha will sich sogar eine Tasche von Hermes kaufen, die einige Tausend Dollar kostet. Das scheint für sie keine außergewöhnliche Ausgabe zu sein, das Einzige, was sie an dem Kauf stört, ist das sie auf Grund einer Warteliste, die Tasche erst in zwei Jahren bekommen soll.
Doch nicht nur die Kleidung kostet die Freundinnen ein kleines Vermögen. Sie gehen fast jeden Abend aus und trinken Cocktails. Selbst wenn man davon ausgeht, dass oft Männer für die Rechnung aufkommen, scheint dies doch nicht billig zu sein. Wenn man annimmt, dass die Preise für Cocktails und Abendessen in „Sex and the City“ mindestens auf dem Niveau einer mittelgroßen deutschen Stadt liegen, müsste jede der Vier an nur einem Abend um die 100 Dollar ausgeben.
„Sex and the City“ zeigt das perfekte Leben jeder Singlefrau. Die Serie zeigt einen Traum, den sich fast jede Frau wünscht. Wenn sie schon keinen Partner hat, dann will sie sich wenigstens selbst etwas gönnen. Hätten die Freundinnen eine Ehemann und Kinder, wäre dieser Lebensstil nicht mehr durchführbar. Man könnte die Designerkleidung und die Partys fast schon als eine Art Ersatzbefriedigung ansehen. Dennoch sind Carrie, Charlotte, Miranda und Samantha zufrieden. Doch in der Wirklichkeit gibt es wohl kaum eine Frau, die die Möglichkeit hat, so zu leben. Nur mit viel harter Arbeit kann man genug Geld verdienen, um sich Vergnügungen dieser Art erlauben zu können. Doch das Problem ist, dass man dann kaum Zeit hat, für solche Vergnügungen. Wenn die Freundinnen ausgehen, und das auch oft genug unter der Woche, wird es oft spät. Dennoch schaffen sie es, am nächsten Tag pünktlich bei der Arbeit zu erscheinen. Zugegeben, Carrie hat als Kolumnistin keine festen Arbeitszeiten und kann ausschlafen, was sie oft genug auch tut. Doch wie soll eine berufstätige Frau wie Samantha, die ein eigenes Unternehmen hat, es schaffen fast jede Nacht auszugehen, oft auch noch Männer mit nach Hause zu nehmen, und trotzdem ihre Arbeit gut machen? Das ist für eine normale Frau, wie es die durchschnittliche Zuschauerin ist, nicht möglich. „Sex and the City“ verkörpert eine Traumwelt, die erstrebenswert scheint, aber im Grunde nicht zu ereichen ist. Es ist völlig in Ordnung, dass dieser Traum immer ein Traum bleiben wird. Das ist schließlich genau das Erfolgrezept von Serien und vielen Filmen. Deshalb interessiert der Rezipient sich überhaupt dafür. Er will sich fallen lassen in eine Welt, in der er niemals leben wird. Dennoch sollte klar sein, dass „Sex and the City“ in der Realität niemals auf die gleiche Weise durchzuführen wäre.
Sexuell gesehen ist die Serie ebenfalls stark übertrieben. Selbstverständlich gibt es auch in der „wirklichen Welt“ Frauen, die so viele Geschlechtspartner haben, wie Carrie und ihre Freundinnen. Doch dürfte dies nur ein sehr kleiner Teil aller Frauen sein. In „Sex and the City“ wird dem Rezipienten suggeriert, dass Frauen eben heute so sind, zumindest moderne Großstadtfrauen. Das ist sicherlich nicht der Fall. Es mag Frauen, gerade auch in New York, geben, die mehr als 50 Sexualpartner hatten. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass eben diese Frauen dann auch beruflich so erfolgreich sind und gesellschaftlich so hoch angesehen sind, wie beispielsweise Samantha. Auch wenn laut „Sex and the City“ Frauen sich heutzutage alles erlauben können, wird solch eine Frau auch heute noch als „Schlampe“ angesehen werden. Die Vorurteile sind immer noch in den Köpfen der Menschen verankert. Was bei Samantha „cool“, selbstbewusst und sexy wirkt, würde in der Realität ganz und gar nicht positiv wirken. Selbst von anderen sexuelle offenen Frauen würde Samantha wahrscheinlich nicht akzeptiert werden. Sexuelle experimentierfreudiger und offener als sie kann man eigentlich nicht sein. Bei Samantha wird das neue Rollenbild, das in „Sex and the City“ dargestellt wird, auf die Spitze getrieben. Ihr Motto könnte lauten „Hab Sex und sprich darüber“. Doch selbst die tolerantesten und unverkrampftesten Frauen würden Samantha verurteilen. Die anerzogenen Vorurteile sind zu stark. „Sex and the City“ mag viel für die Frauen getan haben und die Emanzipation voran getrieben haben, realistisch ist es nicht. Die Realität ist noch nicht so weit, wie die Serie uns glauben machen will.

6. Fazit

„Sex and the City“ ist ohne Frage eine revolutionäre Serie. Nie zuvor wurde das Thema Sex auf diese Art umgesetzt. Carrie, Samantha, Miranda und Charlotte sprechen darüber, wie es im Fernsehen zuvor noch nie zu sehen war. Sie diskutieren auf witzige Art alle sexuellen Spielarten und Vorlieben. Ein neues Frauenbild, Vorbild und Rollenmodell war geboren! Die emanzipierte Frau über 30, die beruflich erfolgreich ist, sehr gut aussieht und tut was sie will. Die Rezipientinnen wollen sein wie die vier New Yorker Freundinnen. Zwischen Voyeurismus und Neugier, Neid und Bewunderung können sich die Fans mit den Protagonistinnen identifizieren.
„Sex and the City“ war zum Zeitpunkt der Erstausstrahlung genau das Richtige. Millionen von Frauen jeden Alters saßen am Dienstagabend vor ihren Fernsehgeräten, trafen sich sogar zu „Sex and the City – Partys“ und versuchten die Outfits zu kopieren. Dass die Realität anderes aussieht, und kaum eine reale Frau den „Sex and the City – Lifestyle“ wirklich leben könnte, spielt für die Fans keine Rolle. Sie werden von der Serie angespornt Carrie und ihren Freundinnen immer näher zu kommen und wenigstens annähend so zu sein, wie sie.
„Sex and the City“ hat Männern geholfen Frauen zu verstehen. Frauen sind auch an Sex interessiert und sprechen darüber. Die moderne „Sex and the City – Frau“ ist frei. Sie ist beruflich so erfolgreich, dass sie genug Geld hat, den Lebensstil zu führen, den sie sich gewählt hat. „Sex and the City“ zeigt das Ideal jeder Single-Frau. Gerade weil alle Vier am Ende der Serie den Partner fürs Leben finden, macht die Serie Hoffnung und hilft Millionen von partnerlosen Frauen ihr Leben zu genießen. Mit Partys, Mode, guten Freundinnen und mit viel Spaß auf der Suche nach dem richtigen Mann.

Fußnoten:

1. http://de.wikipedia.org./wiki/Sex_and_the_City.03.11.2009
2. http:// www.serien-arena.de/showthread.php?t-10156.01.12.2009
3. Sohn, Amy: Sex and the City- Kiss and tell.Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag 2004. S. 49.
4. Sohn, Amy: Sex and the City- Kiss and tell.Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag 2004. S. 91.
6. Trost, Alexander: Sex and the City- das Geheimnis `ihres` Erfolgs.www.Atrost.de S. 5. 12.12.2009
7. Ebd. S. 4.
8. Trost, Alexander: Sex and the City – das Geheimnis `ihres` Erfolgs.www.Atrost.de S. 7. 12.12.2009
9. Ebd. S.12.
10. Ebd. S 8.
11. http://www.serien-arena:de/showthread-php?t-10769vom 01.12.2009
12. Trost, Alexander: Sex and the City- das Geheimnis `ihres` Erfolgs.www.Atrost.de S. 7. 12.12.2009.
13. Sohn, Amy: Sex and the City- Kiss and tell.Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag 2004. S. 67.
14. Sohn, Amy: Sex and the City- Kiss and tell.Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag 2004. S. 67.
15. http://www.lovehelp.de/deutsche-haben-im-durchschnitt-mit-16-2-jahren-das-erste-mal-t7.htmlvom 23.12.2009