Interview

Ein Interview zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es eine Person durch den sogenannten Interviewer befragt wird. Neben einem Einstellungsinterview, das mit einem Vorstellungsgespräch gleichzusetzen ist, ist vor allem das journalistische Interview die bekannteste und am meisten verbreitete Form.

Für ein journalistisches Interview ist eine gute Vorbereitung unumgänglich – egal ob der Beitrag für das Fernsehen, das Radio oder für eine Zeitung verwendet wird. Befragt wird in der Regel eine bekannte Persönlichkeit. Das kann zum Beispiel ein Schauspieler, ein Sänger oder ein Politiker sein. Je nach Thema ist es oft auch sinnvoll, jemanden zu interviewen, der zwar selbst nicht bekannt ist, der sich aber mit einem bestimmten Sachverhalt besonders gut auskennt.

Interview mit bekanntem Politiker


Der Journalist muss sich bereits vor dem Interview in das Thema einarbeiten. Das gilt umso mehr, je bekannter ein Interviewpartner ist. So wird zum Beispiel ein bekannter Politiker oder eine berühmte Sängerin davon ausgehen, dass dem Journalist seine Eckdaten bekannt sind. Fragen die der Befragte bereits oft beantwortet hat, sind in der Regel tabu. Wer zum Beispiel einen ehemaligen Bundeskanzler fragt, von wann bis wann er im Amt war, oder wer von einer Sängerin wissen will, welches Lied sie als erstes veröffentlicht hat, macht beim Befragten keinen professionellen Eindruck.

Der im Mai 2010 verstorbene Journalist Walther von La Roche hat es etabliert, drei Formen journalistischer Interviews zu unterscheiden: Das Interview zur Person, zur Sache und zur Meinung.

Das Experteninterview ist eine weitere Form, die normalerweise im Bereich der Forschung und der Wissenschaft genutzt wird.

Der Interviewer sollte sich nicht nur im Vorfeld in das Thema eingearbeitet, er sollte auch Fragen vorbereitet haben. Je bekannter eine Person ist, desto häufiger kommt es vor, dass er oder sie schon vorher wissen möchte, was gefragt wird. Nachfragen ist zwar erlaubt und oft auch für den Rezipienten erwünscht, wenn eine Antwort nicht verständlich ist, dennoch macht es einen eher unprofessionellen Eindruck, wenn der Interviewer sich die Fragen erst spontan überlegt.

Das Interview weich oder hart führen

Es kann zwischen einem weichen und einem harten Interview unterschieden werden. Diese beiden sind die Extremformen, um den Kommunikationsstil zwischen dem Interviewer und dem Befragten zu beschreiben. Bei einem weichen Interview versucht der Journalist ein Vertrauensverhältnis zu seinem Gegenüber aufzubauen, mit dem Ziel, dass der Befragte ihm mehr erzählt, weil der Journalist ihm sympathisch ist.

Das harte Interview verfolgt das gleiche Ziel. Auch hier wird davon ausgegangen, dass der Befragte eigentlich nicht viel von sich preisgeben will. Die Strategie, um trotzdem brauchbare Antworten zu erhalten, ist allerdings anders. Fast wie bei einem polizeilichen Verhör, zeigt der Interviewer seine Autorität und setzt den Befragten unter Druck. So versucht er seinen Widerstand zu brechen, so dass er „gesteht“ und der Journalist die Antworten bekommt, mit denen er etwas anfangen kann, beziehungsweise die er hören will.

Welche Strategie gewählt wird, hängt vor allem vom Interviewpartner ab. Bei einem Politiker oder zum Beispiel beim Vorsitzenden einen großen Konzerns, kann es sinnvoll sein ein hartes Interview zu führen, also dann wenn es um brisante Themen geht.

Im Lokaljournalismus oder wenn Künstler befragt werden, ist eine weiche Strategie meist sinnvoller. Der Befragte ist nicht verpflichtet dem Interviewer Antworten zu geben und oft auch gar nicht auf Publicity angewiesen. Sich für ein Interview zur Verfügung zu stellen ist dann mehr oder weniger nur ein Gefallen, den er dem Journalisten tut.

Gerade im Lokaljournalismus kann man davon ausgehen, dass der Journalist und sein Interviewpartner mehrmals zusammen arbeiten werden. Wenn der Reporter dann einmal die harte Strategie gewählt hat, ist er dem Befragten nicht mehr sympathisch, was sich vermutlich auf die gesamte zukünftige Zusammenarbeit auswirkt, nicht nur auf das Interview.

Natürlich ist es bei einem Interview möglich unangenehme Fragen zu stellen. Diese sind meist sogar die interessantesten, weil der Rezipient so das erfährt, was ihn eigentlich interessiert und nicht das, was der Befragte von sich aus mitteilen will.

Interviews für Magazine oder Zeitschriften


Um den Interviewpartner aber nicht frühzeitig gegen sich aufzubringen, sollten die Fragen, von denen der Journalist bereits im Vorfeld weiß, dass sie dem Befragten unangenehm sein werden, zum Schluss gestellt werden. Wenn zum Beispiel jemand für ein Magazin oder eine Zeitschrift eine Schauspielerin, die als Diva bekannt ist, im Interview nach einer Affäre fragt, kann es passieren, dass sie das Interview vorzeitig beendet weil sie darüber nicht reden will. Wenn diese Fragen dann direkt zu Beginn gestellt wurde, hat der Journalist gar keine Antworten bekommen. Wenn er sie jedoch am Ende stellt, erfährt er vielleicht nichts vom Liebesleben der Schauspielerin, hat aber zumindest vorher Antworten zu ihrem neuen Film bekommen.

Normalerweise ist es sinnvoll, das fertige Interview dem Befragten noch einmal vorzulegen, bevor es veröffentlicht wird. Oft wird das ausdrücklich gewünscht oder ist sogar Bedingung für ein Gespräch. Bei einem „normalen“ Bericht ist das in der Regel nicht nötig. Wenn es aber nur um eine Person geht, die mehrfach und ausführlich zitiert wird, ist es vielen Befragten lieber, wenn sie ihre Antworten noch einmal lesen und eventuell korrigieren können. Selbst wenn der Interviewpartner das Lesen vor der Veröffentlichung nicht zur Bedingung macht, sollte der Journalist abwägen, ob er es ihm nicht trotzdem ohne Aufforderung noch einmal zuschickt. Zum einen fühlt sich der Befragte so ernst genommen und geschmeichelt, was eine gute Zusammenarbeit in Zukunft wahrscheinlicher macht, zum anderen kann sich der Journalist so eventuell viel Ärger ersparen, falls die befragte Person sich nachher beschwert und meint, das hätte sie so nicht gesagt.