Porträt

Ein Porträt bezieht sich in der Regel auf eine einzelne Person. In seltenen Fällen kann es auch einen bestimmten Gegenstand, eine Organisation oder Ähnliches behandeln. Nicht zu verwechseln ist das literarische Porträt mit einem Porträt in der Kunst. Beide haben allerdings gemeinsam, dass die Persönlichkeit und der Charakter einer Person zum Ausdruck gebracht werden soll.

In den Medien werden meist prominente Persönlichkeiten porträtiert. Von Politikern, über Schauspieler und Sänger bis hin zu Designern oder Künstlern. Aber natürlich kann theoretisch über jeden Menschen ein Porträt verfasst werden.

Porträt erst nach einem Treffen schreiben


Der Autor will diese Person vorstellen und dem Leser einen Einblick in das Leben des Porträtieren geben. Die Äußerlichkeiten spielen dabei zwar auch eine Rolle, wichtiger sind aber das Wesen und die Eigenschaften der Person. Deshalb kann ein Porträt normalerweise nur verfasst werden, wenn der Porträtist dieser Person auch wirklich begegnet ist. Üblicherweise wird dann eine Art Interview, beziehungsweise ein Gespräch geführt. Der Autor stellt Fragen, die der Porträtierte beantwortet. Dabei kommt es jedoch nur zum Teil auf den Inhalt der Antworten an. Je nach dem wie viel der Autor vorab schon über die Person weiß, muss er sich natürlich Eckdaten wie das Alter, den vollen Namen, Wohnort oder den Beruf notieren.

Genauso wichtig ist in diesem Fall aber, dass der Autor beobachtet. Wie verhält sich der Interviewpartner? Ist er eher ruhig? Redet er schnell? Gestikuliert er viel? Wirkt er hektisch oder entspannt, müde oder gestresst?

Wenn der Porträtierte in diesem Moment zum Beispiel sehr gestresst und hektisch wirkt, muss das nicht automatisch bedeuten, dass das immer so ist. Aber ein Porträt ist – ähnlich wie eine Reportage – eine Momentaufnahme. Wenn ein Journalist beispielsweise ein Porträt über einen bekannten Politiker schreibt, kann der Leser nicht davon ausgehen, dass er den Politiker tage- oder gar wochenlang begleitet hat. Der Autor kann nur über das schreiben, was in dem Moment geschehen ist, als er dem Politiker gegenüber saß.

Gute Beobachtungsgabe wichtig für Porträts

Gute Menschenkenntnis ist für den Autor von Vorteil. Mindestens genau so wichtig ist aber eine gute Beobachtungsgabe. Gerade für Ungeübte ist es oft schwer, gleichzeitig Fragen zu stellen, die Antworten mitzuschreiben und sein Gegenüber dabei genau zu beobachten. Oft muss der Porträtist in sekundenschnelle entscheiden, ob er lieber das Gesagte notiert, oder ob er aufschreibt, dass der Porträtierte sich vielleicht bei einem bestimmten Satz an der Nase gekratzt hat, weil das ein Hinweis auf eine Lüge sein könnte.

Falls die Möglichkeit besteht, sollte das Interview deshalb mitgefilmt werden. Der Autor kann sich so seine Arbeit deutlich erleichtern. Während des Gesprächs eine Kamera aufzustellen und Mikrofone anzubringen ist jedoch leider nur selten möglich und zudem sehr aufwändig.

Eine festgelegte Gliederung für ein Porträt gibt es nicht. Natürlich sollte sich der Autor eine Struktur überlegen, bevor er mit dem Schreiben beginnt. Der Text soll für den Leser schließlich nachvollziehbar sein und nicht ungeordnet wirken.

Die Art des Einstiegs kann frei gewählt werden. Der Autor muss dabei nur beachten, dass ein Porträt lebendig wirken soll. Der erste Satz sollte sofort das Interesse des Lesers wecken und sollte deshalb nicht zu „trocken“ oder gar „langweilig“ wirken.

Ein Einstieg wie „Herr Müller ist 50 Jahre alt und seit 20 Jahren Zahnarzt in Berlin“ ist somit zwar nicht direkt falsch, aber ein eher unglücklicher Einstieg für ein Porträt, das den Leser motivieren soll weiterzulesen.

Am besten gelingt der Anfang, wenn der Rezipient sich sofort in die jeweilige Situation hinein versetzen kann und fast schon das Gefühl hat, beim beschriebenen Gespräch anwesend zu sein.

Eine oft genutzte Form, um dem Porträt eine Art Rahmen zu geben, ist das Ankommen und das Weggehen der Person zu beschreiben.

 Erstes Beispiel für ein Porträt

„Durch die Tür kommt ein sympathischer, stabil gebauter Mann mit kurzen blonden Haaren, voller Energie und selbstbewusst. Es ist der 50-jährige Zahnarzt Peter Müller. „50 ½ Jahre muss ich im Moment noch sagen, dabei klingt 51 viel schöner“, sagt Müller und scheint das keineswegs ironisch zu meinen. Ein Problem mit dem älter werden hat der Wahl-Berliner somit wohl nicht.“


Ein Zitat am Anfang des Textes sorgt dafür, dass das Porträt lebhaft und lebendig wirkt und der Leser sich miteinbezogen fühlt. Gerade eine ungewöhnliche Äußerung („50 ½ Jahre muss ich im Moment noch sagen, dabei klingt 51 viel schöner“) bringt den Leser dazu, mehr über die Person erfahren zu wollen.

Je nach Thema und porträtierter Person kann die „ungewöhnliche Äußerung“ zum Beispiel auch gegen eine provokante These ersetzt werden. Das kann vor allem bei Politikern sinnvoll sein.

Um diesen Rahmen zu komplettieren und dem Porträt einen Abschluss zu geben, kann das Bild des durch die Tür tretenden Mannes zum Schluss noch einmal aufgegriffen werden.

Zweites Beispiel für ein Porträt

„Man sollte nie aufhören an sich zu arbeiten“, sagt Müller, bevor er zum Abschied winkend aus der Tür rauscht, um die U-Bahn zu seinem nächsten Termin zu kriegen.“