Rezension zu „Nora ein Puppenheim“

1879 erschien das Theaterstück des norwegischen Autors Henrik Ibsen „Nora – Ein Puppenheim“. Die Protagonistin Nora ist mit dem Advokaten Helmer verheiratet, der Nora zwar über alles liebt, sie aber wie eine Puppe behandelt. Nora darf, den gesellschaftlichen Konventionen entsprechend, keine eigene Meinung haben. Sie soll stets hübsch und adrett aussehen, mehr als eine Vorzeige-Ehefrau soll sie – nach dem Wunsch ihres Mannes – aber nicht sein.

Die Ereignisse verdichten sich


Auf den ersten Seiten scheint Nora sich problemlos in diese Art der Eheführung zu fügen. Der Leser hält sie für eine junge Dame, die es liebt, Geld auszugeben und sich nicht scheut, ihren Ehemann um noch mehr Geld zu bitten. Doch mit dem Besuch ihrer alten Schulfreundin – Frau Linde – verdichten sich die Ereignisse.
Der Leser erfährt, dass Nora dem Rechtsanwalt Krogstad Geld schuldet, dass sie vor acht Jahren von ihm geliehen hat, um sich und ihrem Mann eine Reise zu finanzieren. Noras Ehemann Helmer war zu dieser Zeit gesundheitlich angegriffen, die Reise sollte als Kur dienen. Immer wieder betont die Protagonistin, dass sie ihrem geliebten Mann damit das Leben gerettet habe.

Nora ist verzweifelt

Doch nun droht Krogstad Helmer von den Schulden zu erzählen. Nora ist verzweifelt, da sie, um das Geld zu bekommen, die Unterschrift ihres Vaters gefälscht hat. Ihr Vater, der seine Tochter – ganz wie Helmer – ebenfalls immer nur wie ein willenloses aber schönes Püppchen behandelt hat, war schwer erkrankt und Nora wollte ihn so kurz vor seinem Tod nicht mit Geldproblemen belasten.
Am Ende erfährt Helmer tatsächlich von den Schulden, doch nur ein paar Minuten später beruhigt sich die Situation, und der Schuldschein gelangt in seine Hände. Helmer verbrennt den Schuldschein, will die Sache vergessen und sein Püppchen Nora weiterhin so sehen, wie in den letzten acht Jahren ihrer Ehe: willenlos und naiv.
Aber Nora wird nun klar, dass sie sich befreien und ihren goldenen Käfig verlassen muss, um nicht länger wie ein Kind behandelt zu werden. Sie verlässt Helmer, um auf eigenen Füßen zu stehen.

Auf die heutige Zeit übertragbar


„Nora – Ein Puppenheim“ ist vielen wahrscheinlich schon in der Schule begegnet. Es ist kein Buch, dass man immer wieder gern liest. „Nora – Ein Puppenheim“ ist zweifelsohne ein gutes Buch und von einem talentierten Autor geschrieben. Aber es ist keine lockere Strandlektüre und auch nichts, um sich an einem gemütlichen Nachmittag auf dem Sofa zu amüsieren.

Dennoch ist Henrik Ibsens Klassiker gelungen und es wert, gelesen zu werden. Denn gerade wer darüber nachdenkt zu heiraten, bekommt hier einige Anregungen über die Institution der Ehe. Zwar wurde das Theaterstück vor über 100 Jahren geschrieben, doch Einiges kann immer noch auf die heutige Zeit übertragen werden. „Nora – Ein Puppenheim“ ist gesellschaftskritisch und regt zum Nachdenken an.

„Nora – Ein Puppenheim“ von Henrik Ibsen ist unter anderem bei Reclam erhältlich.